Andachten

Andacht

Andacht 16. November 2022

16. November 2022 | Sylvia Renz

Andacht 16. November 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte. - 1. Korinther 7,23 / Der reine Materialwert eines Menschen wurde vor einigen Jahren auf etwa drei Euro beziffert. Allerdings wurden dabei die Hormone und Enzyme nicht berücksichtigt. Ein Biochemiker der Yale-Universität kam auf rund sechs Millionen Dollar. So hoch schätzte er die Kosten der hoch organisierten chemischen Verbindungen, die aus den Grundstoffen unseres Körpers entstehen – die Produktivität noch gar nicht einkalkuliert. Hierbei wird ein junger, gesunder Mensch für die Gesellschaft als wertvoller gehandelt als ein gebrechlicher Greis. Das klingt zynisch, aber rein wirtschaftlich betrachtet ist es logisch. In unserer deutsch-deutschen Vergangenheit wurden 30 Jahre lang Menschen „verkauft“; politische Gefangene aus der DDR wurden gegen eine Zahlung von 40.000 bis 100.000 DM aus der Haft entlassen und in die BRD überführt. Wobei ein berühmter Chirurg natürlich viel teurer war als eine Frau mit ihren Kindern, deren Ehemann in den Westen „rübergemacht“ hatte. Anfangs finanzierte die evangelische Kirche diese Freikäufe. Als ihr das Geld ausging, übernahm die „Kommerzielle Koordinierung“ die Organisation des Menschenhandels. Insgesamt wurden für diese Freikäufe 3,4 Milliarden DM gezahlt. Diese Devisen waren für die damalige DDR überlebenswichtig. Auch ich bin eine Freigekaufte. Vielleicht habe ich meine „Zelle“ gar nicht als solche empfunden, weil es mir normal erschien, von Grollgedanken und Unzufriedenheit versklavt zu sein. Ich hatte mich an das Gefühl gewöhnt, nichts wert und schuldig zu sein. Meine Befreiung ereignete sich auch nicht durch eine knarzende Zellentür und einen Transit im Bus. Ganz unspektakulär musste ich schlicht daran glauben, dass Gott mich freigekauft hat. Und ich darf darauf vertrauen, dass ich erlöst bin, wenn ich seine Gnade annehme und mit Jesus eng verbunden bleibe. Gott bezahlte unfassbar viel für uns. In seinen Augen ist jeder von uns wertvoll: der pickelige Teenager, die gelähmte Omi im Heim, die gestresste Managerin und der überforderte Vater und Hausmann. Ob tüchtig und produktiv oder einfach nur da, so wie Veilchen und Fliegenpilze, Clownfische und Seepferdchen einfach nur existieren, weil der Schöpfer sie will – wir sind alle kostbar und von Gott geliebt!

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