Andachten

Andacht

Andacht 28. Oktober 2022

28. Oktober 2022 | Günther Machel

Andacht 28. Oktober 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deinen jungen Tagen. Tu, was dein Herz gelüstet und deinen Augen gefällt, und wisse, dass dich Gott um das alles vor Gericht ziehen wird. - Prediger 11,9 / Irgendwann in meiner Teenagerzeit bekam ich von einer Tante eine Bibel geschenkt. Auf der Innenseite hatte sie genau diesen Bibeltext als Widmung eingetragen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mich der Vers beschäftigte und ich mich fragte, was meine Tante mir damit vermitteln wollte. „Tu, was dein Herz gelüstet und deinen Augen gefällt.“ Welcher Jugendliche lässt sich so etwas nicht gerne sagen. Das heißt dann doch ganz praktisch: Nimm dir so viele Freiheiten, wie du willst. Also: Schlafe mit wem du willst, wechsle deinen Lebenspartner, so oft du willst, saufe, so viel du willst, nimm Drogen und leiste dir alles, was du möchtest! Sollte das aber die biblische Botschaft sein? Wer den Text nur bis dahin liest, wird dem Inhalt nicht gerecht und landet in einer Sackgasse. Das war mir damals schon klar. Denn der Text geht ja weiter: „Aber sei dir bewusst, dass Gott dich für alles zur Rechenschaft ziehen wird!“ (Hfa) Hier wird also die Freiheit einer Verantwortung vor Gott gegenübergestellt. Der Schreiber des Buches fordert dazu auf, über die eigene Lebensgestaltung nachzudenken. Überleg dir gut, wie du leben willst und was im Blick auf die Zukunft in dein Leben hineinpassen soll. Entscheide klug, worauf du dich einlässt, was du an dich heranlassen willst. Eine gewisse Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit. Ein erfülltes, gutes Leben gewinnt man nur innerhalb gut gesetzter Grenzen. Wir können nicht jeden Lebensstil verwirklichen, nicht jeden Lebensgenuss ohne entsprechende Wirkung auskosten. Richtig auswählen können wir nur, wenn wir einen Blick dafür bekommen, was im Leben wirklich wichtig ist, was wirklich zählt. Und da hat der Schreiber eine klare Antwort: „Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend.“ (Pred 12,1) Die Ehrfurcht vor Gott, die Bereitschaft, nach seinem Wort zu leben, das ist „der Weisheit Anfang“ (Spr 9,10). Wer Ja zu Gott sagt, wird zu manchen Angeboten Nein sagen. Aber das wird einer guten Lebensfreude keinen Abbruch tun! Die Widmung meiner Tante habe ich nicht vergessen. Sie hat mir geholfen, mein Leben zu bedenken. Und sie hat mich manchmal auch vor Dummheiten bewahrt – dafür bin ich dankbar.

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