Andachten

Andacht

Andacht 29. September 2022

29. September 2022 | Armin Richter

Andacht 29. September 2022

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch. - 1. Thessalonicher 5,16–18 / Hal ist krank. Er hat seit Jahren eine Nervenlähmung, die es ihm zunehmend erschwert, seine Muskeln anzusteuern. Er quält sich täglich die 14 Stufen von seiner Garage ins Wohnhaus – hinauf und hinunter. Oft muss er Pausen machen, damit er es überhaupt schafft. Er denkt häufig an die Zeit, in der alles viel leichter ging. Er ist verbittert. Wieder einmal ist er mit dem Auto unterwegs. Es ist dunkel und regnet, das Fahren ist anstrengend. Da merkt er plötzlich, dass ein Reifen geplatzt ist. Was soll er tun? Hal sieht vor sich ein Haus, ein Fenster ist erleuchtet. Langsam fährt er in die Einfahrt. Er hupt. Ein Mädchen kommt an die Tür. Er erklärt ihr, dass er eine Reifenpanne habe, aber selbst nur mit zwei Krücken laufen könne. Das Mädchen verschwindet, um kurz darauf mit einem Mann zu erscheinen. Beide sind regenfest gekleidet. Sie machen sich an seinem Wagen zu schaffen. Er merkt, wie sie den Wagenheber ansetzen und das Auto hochkurbeln, wie sie das Rad wechseln und den Wagen wieder absetzen. Wie gern hätte er es selbst gemacht – aber er kann sie ja bezahlen. Als sie fertig sind, kommt der Mann an seine Tür. Hal kurbelt das Fenster herunter, bedankt sich und reicht ihm einen Geldschein. Der Mann meint: „Wenn wir helfen konnten, ist es gut. Gute Fahrt!“ Dann kommt das Mädchen und verabschiedet sich: „Gute Fahrt und übrigens: Mein Vater konnte nicht sehen, was Sie ihm hingehalten haben. Er ist blind.“ Hal ist tief beeindruckt: Ein blinder Mann hilft ihm in einer Notsituation. Von jetzt an sucht er mehr und mehr nach Möglichkeiten, etwas zu tun, und klagt weniger über die Dinge, die nicht mehr möglich sind. Oft geht es uns ähnlich: Durch Alter oder andere Umstände müssen wir uns von geliebten Aktivitäten verabschieden, die uns früher möglich waren. Unsere äußeren Einschränkungen sind für die Augen sichtbar und uns ständig bewusst. Sie können uns regelrecht erdrücken, sodass wir leiden und trauern. Trauer hat ihre Zeit. Aber lasst uns mehr und mehr das suchen, was noch möglich ist; wie wir trotzdem Gutes tun können; wie wir immer noch für andere da sein können. Wenn wir darüber mit Gott reden, werden wir Möglichkeiten finden, wie wir für andere ein Segen sind. Und uns wird Dankbarkeit und Zufriedenheit erfüllen – so wie Hal.

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