Andachten

Andacht

Andacht 08. September 2022

08. September 2022 | Günther Hampel

Andacht 08. September 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. - Psalm 23,4 / Hier wird es ernst. „Und ob ich schon wanderte“ heißt ja nicht: sollte ich in Zukunft irgendwann einmal in Schwierigkeiten geraten. Sondern ich habe es bereits erfahren: Selbst in den dunklen Abschnitten meines Lebens war und bin ich nicht allein! David hatte es nicht nötig, sich in eine fromme Scheinwelt zu flüchten, um seiner Ängste Herr zu werden. Er konnte sich auch im „Tal der Todesschatten“ (SLT) darauf verlassen, dass Gott bei ihm ist. Und das hatte er lebenslang bitter nötig: Saul, der eigene Schwiegervater, trachtete ihm jahrelang nach dem Leben. Ausgerechnet bei den Feinden Israels, den Philistern, fand der Gejagte damals Zuflucht. Später versuchten zwei seiner Söhne, ihm die Macht zu entreißen und sich des Throns zu bemächtigen, weil sie meinten, sie könnten es besser als ihr Vater. Und auch sonst häuften sich in der Familie die Probleme – bis hin zu Ehebruch, Vergewaltigung, Mord und Totschlag. Also alles andere als eine heile Welt. Kein Wunder, dass der Psalm an dieser Stelle sprachlich von der dritten Person in die zweite wechselt, vom „er“ zum „du“: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Im Allgemeinen ist es so, dass wir erst im „dunklen Tal“ das Dabeisein Gottes richtig erfahren und schätzen. Auch gläubige Menschen müssen durch dunkle Täler, aber Gott schickt uns nicht allein durch sie hindurch, sondern geht die gefährlichen Wege mit – manchmal trägt er uns auch hindurch. Übrigens: Der „Stecken“ war ein Stab, auf den sich der Hirte beim Wandern stützte und mit dem er Schafe, die ausscheren wollten, wieder in die Herde zurückführte; der „Stab“ war eine mit Eisen beschlagene Keule, mit der er die Herde gegen Angriffe von außen verteidigte. Für mich heißt das heute: Auch wenn es – aus welchen Gründen auch immer – gefährlich wird, sorgt Gott dafür, dass ich auf seinem Weg bleibe, denn er hält mir den Rücken frei.

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