Andachten

Andacht

Andacht 06. August 2022

06. August 2022 | Klaus Kästner

Andacht 06. August 2022

Bildnachweis: Monika Breiholz

Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall. - Sprüche 16,18 / vDer Aufstieg Japans zur asiatischen Führungsmacht nach dem Ersten Weltkrieg war eng verknüpft mit der hochmütigen Überzeugung von der Exklusivität der eigenen Rasse und der Göttlichkeit des Kaisers. Eine aggressive Expansionspolitik dehnte das „Reich der aufgehenden Sonne“ im pazifischen Raum in unerhörter Weise aus. Nach dem Angriff auf den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 bekam es die japanische Armee aber mit einem Gegner zu tun, dessen militärische Antwort ihren Untergang herbeiführte. Da es japanischen Soldaten verboten war, sich zu ergeben, war dieser Krieg gekennzeichnet von beispielloser Härte und Grausamkeit. Für die Japaner sollte es eine Ehre sein, für den Tenno, den Kaiser, ihr Leben zu opfern. Als im Juni 1945 die militärischen Führer Japans immer noch vom Endsieg träumten, musste sich Harry Truman, der damalige Präsident der USA, entscheiden. Es ging um die Frage, wie viele junge Menschen noch bis zum Ende dieses Krieges geopfert werden durften. Nach langen Diskussionen wurde beschlossen, Japan ein Ultimatum zu stellen. Das geschah durch die Potsdamer Erklärung vom 26. Juli 1945. Es kam keine Antwort auf diese letzte Warnung. Damit war für die US-Regierung klar, dass es nur noch eine Möglichkeit gab, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden: durch den Einsatz der Atombombe. Japans Generäle hätten vielen Tausenden Menschen ihres Volkes das Leben retten können. Doch sie waren besessen von ihrem Ehrenkodex: Sieg oder Tod. Erst am 10. August raffte sich Kaiser Hirohito endlich auf und ordnete die Kapitulation an. Die Katastrophe von Hiroshima und Nagasaki ist ein extremes Beispiel dafür, in welches Elend fanatischer Stolz und Größenwahn ganze Völker stürzen kann. Der Bibeltext aus den Sprüchen legt nahe, dass überheblicher, anmaßender Stolz auch auf der Ebene des alltäglichen Lebens oft eine verhängnisvolle Rolle spielt. Früher verwendete man für diese Haltung den Begriff „Hoffart“, der uns in alten Bibeln oft begegnet. Luther sah in der Hoffart die Ursünde des Menschen. Sie kann aber überwunden werden, wenn wir uns am Beispiel Jesu orientieren, der von sich sagen konnte: „Ich bin von Herzen demütig.“ Seinem Leben nachzueifern sollte unser Ehrenkodex sein.

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