Andachten

Andacht

Andacht 18. Juni 2022

18. Juni 2022 | Sylvia Renz

Andacht 18. Juni 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Als einer von ihnen seinen Sack öffnete, um seinen Esel zu füttern, fand er sein Geld darin. „Seht nur!“, rief er. „Mein Geld liegt hier in meinem Sack!“ Sie erschraken und sagten zueinander: „Was hat Gott uns angetan?“ - 1. Mose 42,27–28 / Ein Mann in der amerikanischen Stadt Marlborough erlebte vor einiger Zeit eine seltsame Überraschung: Er kam abends mit seinem kleinen Sohn von der Arbeit nach Hause und fand sein Haus gründlich geputzt und aufgeräumt. Er merkte schon beim Hereinkommen, dass etwas nicht stimmte: Es roch anders, frisch und nach Putzmittel. Eine Tür, die er sonst immer offen ließ, war geschlossen. Er war sofort alarmiert und rannte durch alle Räume: Alle Zimmer blitzten vor Sauberkeit. Und im Kinderzimmer des Sohnes, in dem gewöhnlich ein heilloses Chaos herrschte, saßen alle Kuscheltiere aufgereiht auf dem Bett. Er rief die Polizei, die das ganze Haus durchsuchte, aber niemanden fand. Der „Beschenkte“ war alles andere als dankbar. Er hatte Angst und meinte, es ginge ihm besser, wenn ihm dieses „Putzkommando“ eine Rechnung senden würde. Dann wüsste er wenigstens Bescheid. Josefs Brüder erleben eine ähnliche Überraschung. Sie entdecken in ihren Kornsäcken das Geld wieder, das sie doch vor Kurzem in Ägypten für Getreide bezahlt haben. Sie schreien auf: „Was hat uns Gott da angetan?!“ Seltsame Reaktion, oder? So denkt doch nur jemand, der Gott für einen unbarmherzigen Rächer und Bestrafer hält. Dabei hatten sich diese zehn jungen Männer doch seit mehr als 22 Jahren selbst bestraft und gequält. Denn uneingestandene und unvergebene Schuld ist die schlimmste Folter, die sich ein Mensch antun kann. Sie hatten den 17-jährigen Josef aus Neid und Hass als Sklaven verkauft und behauptet, er sei von einem Raubtier gerissen worden. Der Vater Jakob ließ sich nicht mehr trösten und trauerte endlos. So hatten sie sich ihr weiteres Leben ohne Josef nicht vorgestellt! Obwohl er nicht mehr bei ihnen war, wurden sie Tag und Nacht an ihre Untat erinnert. Und dadurch war er gegenwärtiger als je zuvor. Nein, sie hatten sich nicht von ihm befreit, im Gegenteil: Sie hatten sich selbst in einen Kerker manövriert und den Schlüssel zur Tür verloren. Alle Leichtigkeit des Lebens, alles Glück dieser Erde hatten sie ausgesperrt. Und Gott? Den hatten sie wohl ganz aus den Augen verloren. Wie bitter ist das denn? (Teil 1)

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