Andachten

Andacht

Andacht 11. Mai 2022

11. Mai 2022 | Matthias Müller

Andacht 11. Mai 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Ihr werdet sein wie Gott. - 1. Mose 3,5 / Dieser Lockruf der Schlange im Paradies hallt echogleich durch die Jahrhunderte. Man kann die These aufstellen, dass der Mensch diesem Ziel unablässig nachjagt. Während Gott im Paradies noch fragte: „Adam, wo bist du?“, rufen wir heute das Ortungssystem unseres Handys auf, um jemanden zu finden. Die Software auf meinem Computer nennt mir die Namen zu den Gesichtern, die ich fotografiert habe, jedenfalls mit einer gewissen Treffsicherheit, von staatlichen Systemen zur Gesichtserkennung ganz zu schweigen. Webcams lassen mich jederzeit sehen, wie das Wetter am weit entfernten Strand des geplanten Urlaubsortes ist. Videotelefonie, in meiner Kindheit noch reine Utopie, ist heute durch die Computertechnik selbst für ältere Menschen Alltag und Teil eines Gefühls der Allgegenwart, die früher nur Gott eigen war. Wenn sich die rasante technische Entwicklung der vergangenen Jahre so fortsetzt, werden wir Predigten nicht mehr nur auf dem Bildschirm verfolgen können, sondern ein entfernter Pastor wird per Hologramm im Raum zu uns sprechen, so als wäre er in Person gegenwärtig. Der Allwissenheit sind wir durch Wikipedia ein großes Stück nähergekommen. Lange Reihen schwerer Lexikonbände zieren die Wohnzimmerregale schon längst nicht mehr. Wir greifen auf einen immensen Wissensfundus per Mausklick zurück. Die Liste ließe sich fortsetzen. Bauen wir erneut an einem „Turm zu Babel“, wollen wir sein wie Gott? So schön und beeindruckend diese Entwicklungen sind und so gerne wir sie nutzen – sie gaukeln uns menschliche Größe vor, die schon durch ein winziges Virus an ihre Grenzen kommen kann. Selbst der mächtigste und gewalttätigste Diktator der Geschichte hat immer noch sein Ende im Grab gefunden. Darum steht es uns gut an, dass wir uns dem Schöpfer aller Welt gegenüber in Bescheidenheit üben. Wir verdanken ihm unser Leben. Durch ihn haben wir Zukunft. Er ist es, der „die Welt im Innersten zusammenhält“. Er gibt uns, was wir zum Leben brauchen. „Die Güte des HERRN ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende.“ (Kla 3,22) Seien wir uns dessen auch heute bewusst, wenn wir unsere schicken Geräte wieder einschalten.

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