Andachten

Andacht

Andacht 26. April 2022

26. April 2022 | Heinz-Ewald Gattmann

Andacht 26. April 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Dann gebot Gott, der HERR, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn am Tag, da du davon isst, wirst du sterben. - 1. Mose 2,16–17 / Niemand lässt sich gerne vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat. Kinder rebellieren gegen Regeln im Elternhaus, Jugendliche empfinden den Spielraum ihres Glaubens als zu eng, und auch Erwachsene suchen sich aus ganz unterschiedlichen Motiven eigene Wege. Kennt Gott diesen Drang des Menschen nach Eigenständigkeit und Selbstverwirklichung nicht? Eine Folge der Sünde kann er jedenfalls nicht sein, denn noch vor dem Sündenfall macht Gott – offensichtlich aus berechtigtem Anlass – obige Ansage. Sie hat nämlich etwas mit seinem Wesen und der von ihm gewollten Natur des Menschen zu tun. Gott liebt und schenkt Freiheit, er will Freiwilligkeit. Beides hat er Adam gegeben, zwar versehen mit einer Warnung, aber eben doch ohne Einschränkung. Adam sollte selbst für sich entscheiden können, ob er in einer Beziehung zu Gott leben wollte. Am Baum der Erkenntnis bekam er die Möglichkeit dazu. Bekannterweise ist Gott damit ein hohes Risiko eingegangen, wie der Sündenfall im nächsten Kapitel zeigt. Adam und Eva treffen eine fatale Entscheidung, sie nutzen die von Gott gegebene Freiheit und wenden sich von ihm ab. Und Gott? Er ist sofort bereit, die unabwendbaren Folgen des Sündenfalls zu tragen. Statt mit Vorwürfen reagiert er mit einer einzigartigen Ankündigung: Ich bringe das wieder in Ordnung. Lange Zeit danach stirbt Jesus am Kreuz, um sein Versprechen aus dem Paradies zu erfüllen. Diese Geschichte zeigt auf eindrucksvolle Weise das Wesen des christlichen Glaubens. Er beruht auf der im Paradies geschenkten Freiwilligkeit und einer persönlichen Beziehung zu Gott. Der Gläubige sagt bewusst Ja zu Gott, er will mit ihm leben, ihm vertrauen und glauben. Auf der Seite Gottes finden sich grenzenlose Liebe und Treue zu eigenen Prinzipien: Er übernimmt die Folgen der falsch genutzten Freiheit und stirbt, aus freien Stücken und aus Liebe zum Menschen. Hier liegt für mich eines der überzeugendsten Argumente für die Wahrhaftigkeit des christlichen Glaubens: Ich bin kein Sklave, und Gott ist kein Despot. Er will meine Freiwilligkeit und opfert sich selbst, damit ich sie leben kann.

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