Andachten

Andacht

Andacht 31. März 2022

31. März 2022 | Sylvia Renz

Andacht 31. März 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Nehmt euch Jesus Christus zum Vorbild: Obwohl er in jeder Hinsicht Gott gleich war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, wie Gott zu sein. Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und war in allem ein Mensch wie wir. Er erniedrigte sich selbst noch tiefer und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz. - Philipper 2,5–8 / Liebe überwindet Mauern. Und schert sich auch nicht um Überwachungskameras. Vor einiger Zeit brach ein junger Mann in das Frauengefängnis in Vechta ein. Er war über eine vier Meter hohe Mauer geklettert und turnte dann über vergitterte Fenster bis zu dem Raum, in dem seine Freundin war. Sie hatte am Telefon mit ihm Schluss gemacht, und das konnte er nicht akzeptieren. Er wollte mit ihr reden und sie zurückgewinnen. Inzwischen hatten die Beamten der JVA ihn geortet und aufgefordert, sofort wieder herunterzuklettern. Doch er weigerte sich. Die Feuerwehr musste ihn dann schließlich per Leiter zurückholen. Er muss sich nun einer Anklage wegen Hausfriedensbruchs stellen. Ich habe mich gefragt, weshalb ein Mensch freiwillig in ein Gefängnis geht – nicht nur zu Besuch, um Gefangenen ein wenig Trost und Beistand zu schenken. Das habe ich auch schon mal für drei Stunden getan; danach konnte ich die düsteren Mauern der JVA Torgau hinter mir lassen und erleichtert in die Freiheit zurückkehren. Aber hätte ich mein Recht auf Selbstbestimmung aufgegeben und mich selbst in eine Lage katapultiert, in der ich hilf- und machtlos den Schikanen anderer Leute ausgesetzt wäre? Niemals! Doch genau das hat Jesus getan, als er seine göttliche Allmacht aufgab und in die Haut eines Menschen schlüpfte. Wir können nicht begreifen, wie und wieso er gleichzeitig Mensch sein und Gott bleiben konnte. Aber dass er auf all das verzichtet hat, was einen allmächtigen Herrscher über das Universum ausmacht, das sagt die Bibel glasklar. Aus Liebe zu uns verlorenen Menschen kletterte er „über die Mauer“ unseres Gefängnisses und rüttelte an vergitterten Fenstern. Er will einen jeden von uns gewinnen. Er möchte uns seine Liebe nahebringen, seine Fürsorge. Er akzeptiert kein leichtfertiges Nein, er versucht es immer wieder und wirbt um unser Vertrauen, unsere Gegenliebe. Und diesen „Einbruch“ bezahlte er mit seinem Leben – wie reagiere ich darauf?

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