Andachten

Andacht

Andacht 02. März 2022

02. März 2022 | Beate Strobel

Andacht 02. März 2022

Bildnachweis: Gerd Schmid

Denn im Zorn tun wir niemals, was Gott gefällt. - Jakobus 1,20 / Jesus vertreibt die Händler im Tempel, stößt die Tische um und am Ende sagt er, die Menschen hätten aus dem heiligen Ort eine Räuberhöhle gemacht. Manche Menschen meinen: Wenn Jesus dermaßen gewütet hat, dürften wir das auch. Können wir damit unsere Wutausbrüche rechtfertigen? Nein, durch das Neue Testament weht ein ganz anderer Geist. Die Stimmung in unserem Land ist immer öfter geprägt von Bitterkeit, Hass und Aggression. Ich glaube, unsere Gesellschaft bräuchte dringend das Hoffnungspotenzial der großen Augenblicke, in denen man besonders angerührt ist und etwas empfindsamer wird. Natürlich wünschte ich mir als Christin, dass viele Menschen auch ein bisschen intensiver Jesus nachgingen. In seiner Spur von Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit steckt eine große Menge Energie. Jakobus schreibt, dass Zorn dazu führt, sich so zu verhalten, wie es Gott nicht gefällt. Für mich gibt es zwei wichtige menschliche Haltungen, die gegen diese negativen Kräfte wirksam antreten. Die eine ist eine tiefe, ansteckende Freude. Wer Freude in sich hat, hat einen größeren Frustwiderstand und findet leichter Lösungen für seine Probleme. Auf unserer „Seelenwaage“ ist die Strahlkraft der Freude, die Wucht des Glücks, die wirksamste Gesellschaftsmedizin gegen den Hass. Ich meine damit kein Dauergrinsen oder das Weglächeln von Problemen; wem „die Galle voll ist“, der muss das Übel beim Namen nennen. Aber wo uns das Leben gelingt, da können wir ruhig unsere Freude zeigen und damit der allgemeinen Bitterkeit etwas entgegensetzen. Ein zweiter wesentlicher Ausdruck erlebter Freude ist für mich die Dankbarkeit. Ich hatte gerade angefangen, mir die Zeichen der Dankbarkeit im Straßenverkehr abzugewöhnen. Jemanden vorlassen? Mich bedanken? Wieso? Bei mir bedankt sich doch auch keiner mehr! Dann aber ist mir klar geworden: Diese zunehmende Rohheit im Straßenverkehr entspringt demselben Sumpf und Abgrund wie der Zorn, der mir in der Gesellschaft so übel aufstößt. Heute bedanke ich mich wieder, egal ob es die anderen machen oder nicht. Ich wünsche mir, dass du leben kannst mit der Glückskraft von Freude, Liebe und Dankbarkeit und damit Zeichen setzen kannst gegen den Hass.

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