Andachten

Andacht

Andacht 31.12.2021

31. Dezember 2021 | Heidemarie Klingeberg

Andacht 31.12.2021

Bildnachweis: misterQM / photocase.de

Aber eins steht fest: Ich will vergessen, was hinter mir liegt, und schaue nur noch auf das Ziel vor mir. - Philipper 3,13 / Im hohen Norden gibt es einen Hof, den Articus-Hof, umgeben von weitläufigen Ackerflächen, auf dem jedes Jahr in der Winterkälte ein spezielles Schauspiel geboten wird. Es ist ein Ritual, an dem das gesamte Dorf teilnimmt. Ein großer roter Drachen steigt in den Himmel auf und vollführt dort seinen Tanz in den Wolken. Gespannt verfolgen die Zuschauer seine Bahnen. Ein Korb mit Verpflegung wird herumgereicht und ein wärmendes Getränk. Höher und höher geht es hinauf. Als die Schnur, an der er festgehalten wird, kaum mehr zu erkennen ist, geschieht etwas Überraschendes: Zuerst nimmt jeder der Anwesenden nacheinander die Leine in die Hand. Dann wird einem der Männer ein Messer gereicht – und zack, er kappt das Seil, von dem der Drachen gehalten wird. Weg ist er! (Nach „Drachen im Dezember“ von Peter Fitzner in Der andere Advent, 1.12.2018) Diese besondere Zeremonie hat einen tiefen Sinn. Die Bewohner dieses Dorfes treffen sich jedes Jahr, um Gott zu danken und über die Ereignisse der vergangenen Monate nachzudenken. Während sie den aufsteigenden Drachen beobachten, schweigen sie miteinander. Für den Moment, in dem die Schnur in die Hand genommen wird, lässt jeder das, was ihn beschwert und belastet hat, noch einmal an sich vorbeiziehen. Dann wird das Seil durchgeschnitten, und mit dem Drachen fliegen symbolisch alle Lasten davon. Wer frei sein möchte für einen neuen Anfang, muss erst die vorhandenen Verletzungen und Belastungen bearbeiten; Altes loslassen, damit Neues beginnen kann. Eine wichtige Erkenntnis zum Beginn eines neuen Jahres. Ich will alles vergessen, was hinter mir liegt, schrieb der Apostel Paulus, und mich nur noch auf das vor mir liegende Ziel konzentrieren. Das war nicht leicht für ihn, denn es belastete ihn immer wieder, dass er die christliche Gemeinde verfolgt hatte (Phil 3,6). Gleichzeitig bekannte er: „Was zählt, ist, dass ich durch den Glauben an Christus von Gott angenommen werde. Darauf will ich vertrauen.“ (V. 9 Hfa) Auch wir dürfen dieses Jahr mit seinen guten und schwierigen Zeiten hinter uns lassen und das neue vertrauensvoll in die Hand des allmächtigen Gottes legen. Ein gesegnetes neues Jahr wünsche ich Ihnen und euch!

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