Andachten

Andacht

Andacht 24.12.2021

24. Dezember 2021 | Werner Jelinek

Andacht 24.12.2021

Bildnachweis: Gerd Schmid

Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden. - 2. Korinther 5,21 / „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“, so warb einmal der Handel vor dem Fest. Weihnachten als Wettbewerb. Wer macht das größte, schönste, teuerste Geschenk? Wen hat man im Wettstreit um die Gunst der Beschenkten ausgestochen? Und die Wirtschaft jubelt: „Süßer die Kassen nie klingeln als zu der Weihnachtszeit.“ Es geht nur noch um Geschäft und Gewinn – alles Kommerz. Das ist wirklich daneben, geradezu unchristlich. – Wirklich? Ich behaupte ernsthaft: Das Wesentliche am christlichen Glauben ist der Kommerz. Wie komme ich zu dieser Aussage? Kommerz – dieses aus dem Lateinischen stammende Wort bedeutet Handel, Wechsel, Tausch. Aber was für ein Tausch ist gemeint? Ein alter Weihnachtstext spricht vom wunderbaren Tausch: „Einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen… Dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterblichen Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben.“ (Jacob Handl, O admirabile commercium, 1586) Können wir das fassen? Können wir noch darüber staunen? Geht uns die Wahrheit des Eingangstextes unter die Haut? Von welcher Belastung wünsche ich mir befreit zu werden? Was darf ich im Gegenzug empfangen? Manfred Siebald drückt es in einem seiner Liedtexte wie folgt aus: „Es ist niemand zu groß, es ist niemand zu klein, es ist niemand zu arm oder reich. Es ist niemand zu einfach und niemand zu fein: Seine Liebe gilt für alle gleich. Gott öffnet jedem die Tür, jedem, der ihn fragt. Er nimmt die Schuld und gibt Liebe dafür, denn er hat es uns gesagt.“ (Manfred Siebald, Ich will dir danken!, SCM Hänssler, 1974) Dieser radikale Tausch von Schuld gegen Liebe, dieser göttliche Kommerz, wirkt schon heute und erst recht in Ewigkeit. Gott nimmt unsere Ängste, Tränen, Sünden – sogar unseren Tod. Er tauscht all diese Dinge ein in Hoffnung, Freude, Versöhnung – in Leben. Das ist ein Fest! Lasst es uns mit dankbarem Herzen feiern.

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