Andachten

Andacht

Andacht 11.12.2021

11. Dezember 2021 | Peter Zaiser

Andacht 11.12.2021

Bildnachweis: Gerd Schmid

Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde. - 1. Mose 22,1–2 / Der Kabarettist und Schauspieler Robert Palfrader wurde gefragt, ob er an Gott glaubt. Er antwortete, dass Abraham, auf den sich drei große Religionen berufen, eine Stimme hörte, die ihm befahl, seinen Sohn zu töten. Heute, so Palfrader, wäre dieser Mann ein Fall für die Psychiatrie. Die Geschichte in 1. Mose 22 ist ein Skandal. Deshalb behaupten manche, sie sei eine Legende. Ich gehe davon aus, dass sie tatsächlich geschehen ist, denn so eine Geschichte zu erfinden, stärkt nicht unbedingt die religiöse Identität des alttestamentlichen Israels. Aber was bedeutet sie? An anderen Stellen der Bibel sagt Gott doch deutlich, dass er es verabscheut, wenn Kinder geopfert werden. (3 Mo 18,21; Jer 32,35) Es gibt für mich nur eine sinnvolle Antwort. In der Bibel wird noch ein Vater beschrieben, der seinen Sohn gab – 2000 Jahre später. Der Sohn Gottes, der von Ewigkeit mit seinem Vater verbunden war, trennt sich von ihm und wird Teil des menschlichen Geschlechts. Er ist sogar bereit, sich bekämpfen, beschimpfen, schlagen, ja kreuzigen zu lassen. Die Geschichte von Abraham und Isaak lässt sich erst wirklich befriedigend verstehen, wenn man sie als Hinweis, als eine prophetische Handlung, auf den Tod Jesu betrachtet. In diesem Nachkommen Abrahams soll die ganze Welt gesegnet werden. Indem Gott seinen Sohn opfert, kann er diese Segnung erfüllen. Gott offenbart darin seine Liebe zur Menschheit. Abraham hatte zu seiner Zeit schon etwas über das Kommen des Sohnes Gottes erfasst, denn Jesus sagte: „Abraham sah meinen Tag und freute sich.“ (Joh 8,56) Vielleicht sah er auch schon die Auferstehung des Sohnes. Die Geschichte bei Abraham ging gut aus, denn Gott erwählt ein Opfertier anstelle Isaaks. Er opferte nicht seinen Sohn, aber er wurde zu einem eindrücklichen Hinweis auf die Liebe des himmlischen Vaters, der seinen Sohn tatsächlich gab.

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