Andachten

Andacht

Andacht 28.11.2021

28. November 2021 | Udo Worschech

Andacht 28.11.2021

Bildnachweis: Gerd Schmid

[Der Herr erschien Abraham und sprach:] „Wandle vor mir und sei fromm.“ - 1. Mose 17,1 / Diese Aussage klingt nicht nur vielversprechend und einfach, sie steht sogar im Imperativ: „Sei fromm!“ Ein Aufruf, der sich anhört wie: „Nun mach mal!“ Weil Gottes Worte ermunternd und zuversichtlich klingen, möchte man seiner Aufforderung gerne nachkommen. In der Gegenwart ist das Wort „fromm“ eher verpönt und selbst der von außen Fromme weiß nicht, ob er es wirklich ist, ob er das Richtige glaubt und vor allem tut. Mit diesem Wort, das im Text als „fromm“ übersetzt wurde kann man heute wenig anfangen. In einer anderen Übersetzung steht: „Sei untadelig.“ (EB) Dadurch wird das Verständnis des eigentlich Gemeinten, aber noch schwieriger. Denn auch der Frömmste wird eingestehen, dass er doch nicht völlig untadelig ist. Selbst Abraham, wie auch andere Patriarchen der Bibel, war nicht untadelig. Obwohl Abraham an den Verheißungen Gottes zweifelte (beispielsweise bei den Ausreden vor dem Pharao und Abimelech, wie auch im Falle seiner Zweitfrau Hagar), wird er als „Freund Gottes“ bezeichnet (nach Jes 41,8 und Jak 2,23). Fromm oder untadelig zu sein, ist ein unerreichbarer Vorsatz. Im hebräischen Urtext steht das Wort tamim. Dies bedeutet „ganz, vollendet oder fertig“ zu sein. Unser „Ganz-sein“ vor Gott bestand und besteht darin, dass wir im Bewusstsein der Annahme Gottes durch Jesus auf allen Ebenen des geistlichen, seelischen und körperlichen Daseins Mensch sein sollen. Wir können uns durch Christus in all unserer Hinfälligkeit, im Bewusstsein der Begrenztheit und im Sieg über die Widrigkeiten des Alltags annehmen. Durch Jesus Christus sind wir vollständig geworden. Wir dürfen uns unsere Schwächen eingestehen und unsere Stärken für den Nächsten einsetzen. „Ganz-sein“ bedeutet auch, sich nicht zu verbiegen, das Mehr-Schein-als-Sein-Dasein aufzugeben und in der Rollendynamik zwischen Familie, Arbeit und Gesellschaft man selbst zu bleiben. Unser Glück in Jesus muss nicht durch liebevolles Gesäusel demonstriert werden. Unser Gegenüber spürt, ob wir echt sind in unserem Frommsein. Wenn wir unseren Nächsten wie uns selbst lieben, ist das nicht nur authentisch, sondern auch ein Wandeln vor Gott.

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