Andachten

Andacht

Andacht 22.11.2021

22. November 2021 | Gerhard Zahalka

Andacht 22.11.2021

Bildnachweis: Gerd Schmid

Und Hiob starb alt und lebenssatt. - Hiob 42,17 / Das Telefon klingelte. Eine Glaubensschwester aus einem Nachbarort bat mich, sie und ihren Mann baldmöglichst zu besuchen. Der Grund: Ihr Mann wünsche sich, dass Gott ihn zur Ruhe lege und sie sei damit nicht einverstanden. Ich fuhr gleich hin und traf eine betrübte Ehefrau an, die ihrem Mann grollte, weil er sie ohne triftigen Grund verlassen wollte. Er war ein treuer Glaubensbruder, bis zu seiner Pensionierung in verantwortlicher Stellung tätig, und auch in der Adventgemeinde hatte er viele Jahre als erster Diakon und Gemeindeleiter gewirkt. Nun lag er ohne wirklich krank zu sein im Bett, fühlte sich aber müde, alt und lebenssatt wie Hiob, Abraham, Isaak und David, die „alt und der Tage satt“ starben (1 Mo 25,8; 1 Mo 35,29; 1 Chr 23,1 EB). Es ist gar nicht so selten, dass betagte oder einsame Menschen, gesund oder krank, das Lied „Ich möchte heim, mich zieht’s zum Vaterhause“ (Zionsliederbuch, Nr. 386) zu einer Gebetsbitte erheben. Aber hier war ja noch eine Ehefrau, die ihren Mann behalten wollte. Wir hatten ein gutes Gespräch und wurden uns einig, Gott zu befragen. Jesus lehrt, dass zur Nachfolge Selbstverleugnung gehört (Mt 16,24), was nichts anderes bedeutet, als die eigenen Wünsche aufzugeben und allein nach dem Willen Gottes zu fragen. Wir knieten an seinem Bett nieder und ich betete: „Herr, du weißt, worum es geht. Was immer du entscheidest: Wir sind von ganzem Herzen einverstanden. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch in unserem Leben.“ Ich verabschiedete mich und fuhr die sechs Kilometer nach Hause. Kaum hatte ich die Wohnung betreten, läutete das Telefon. Bevor ich mich melden konnte, hörte ich meine Glaubensschwester Worte sagen, die ich nie vergessen werde: „Wunderbar, wunderbar, Bruder Zahalka, wunderbar. Mein Mann ist soeben eingeschlafen.“ Es klang fast fröhlich. Wie viel leichter fällt es uns doch, selbst Schmerz und Trauer anzunehmen, wenn wir zweifellos wissen: Es ist Gott, der uns diesen Weg führt. So durfte die Glaubensschwester erleben, dass sie auch in ihrem Schmerz begleitet und getröstet wurde. Das will Gott für jeden tun, der zu ihm kommt, denn Jesus hat versprochen: „Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.“ (Mt 5,4)

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