Andachten

Andacht

Andacht 10.11.2021

10. November 2021 | Günther Machel

Andacht 10.11.2021

Bildnachweis: Gerd Schmid

Wer Ohren hat zu hören, der höre. - Lukas 8,8 / Irgendwann fing ich an, den Lautstärkeregler am Fernseher höher zu drehen. Meiner Frau fiel es bald auf: „Willst du, dass die Nachbarn mithören?“, war ihr Kommentar. Natürlich wollte ich das nicht. Also blieb mir nichts anderes übrig, als einen Akustiker aufzusuchen und einen Hörtest machen zu lassen. Das Ergebnis war klar: meine Hörfähigkeit hatte nachgelassen. Es tröstete mich, dass es vielen Leuten mit zunehmendem Alter ebenso ergeht. Trotzdem habe ich das Ergebnis mit einem zweiten Test nachprüfen lassen. An der Tatsache, dass mein Gehör nicht mehr alle Töne wahrnimmt, kam ich dennoch nicht vorbei. Deshalb entschied ich mich letzten Endes dazu, Hörgeräte zu beantragen. Inzwischen bin ich damit gut ausgestattet und sehr dankbar dafür. Die Technik kann das normale Hören nicht ersetzen, aber ohne sie könnte ich an manchen Gesprächen gar nicht mehr richtig teilnehmen. Das ständige Nachfragen nach dem, was gerade gesagt wurde, nervt nicht nur andere, sondern auch mich selbst. In einer solchen Situation neige ich dann eher dazu, abzuschalten. Jesus hat die Formulierung „wer Ohren hat, der höre“ des Öfteren benutzt – meist am Ende einer Rede. Das kann nur bedeuten, dass er nicht das bloße Zuhören ansprach, sondern ein tieferes, ein geistliches Hören meinte – ein Verständnis mit dem Herzen. Man nennt seinen Ausspruch auch „Weckruf“. Das schließt auch jemanden ein, der vielleicht von Geburt an taub ist. Ich frage mich, ob auch unsere geistliche Hörfähigkeit im Laufe unseres Glaubenslebens nachlässt. Hören wir noch immer genauso auf das, was Jesus sagt, wie am Anfang unserer Glaubensentscheidung? Oder meinen wir, seine Worte bereits so gut zu kennen, dass wir gar nicht mehr genauer hinhören oder hinschauen müssen? Was können wir dagegen tun? Gibt es so etwas wie „geistliche Hörgeräte“, die uns helfen können? Das wäre doch wunderbar, wobei es wohl zu technisch gedacht ist. Ich möchte das Wort aus Jesaja 50,4 als Bitte umformulieren: „Herr wecke mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.“ Gott kann uns in jeder Lebenslage helfen, unser passives Hören wieder aktiv werden zu lassen, sodass unser Herz Anteil nimmt.

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