Andachten

Andacht

Andacht 04.11.2021

04. November 2021 | Reiner Dürsch

Andacht 04.11.2021

Bildnachweis: Gerd Schmid

Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest. - Prediger 7,16 / Ein Schüler kam zu einem weisen, alten Mann. „Herr“, sprach er mit schwerfälliger Stimme, „das Leben liegt wie eine Last auf meinen Schultern. Es drückt mich zu Boden und ich habe das Gefühl, unter dem Gewicht zusammenzubrechen.“ „Mein Sohn“ sagte der Alte mit einem liebevollen Lächeln „das Leben ist leicht wie eine Feder.“ „Herr, bei aller Demut, aber hier musst du irren. Denn ich spüre mein Leben wie eine Last von tausend Pfunden auf mir. Sag, was kann ich tun?“ „Wir sind es selbst, die uns Last auf unsere Schultern laden.“ sagte der Alte, immer noch milde lächelnd. „Aber ...“ wollte der Junge einwenden. Der alte Mann hob die Hand: „Dieses „Aber“, mein Sohn, wiegt allein tausend Pfund.“ (Tania Konnerth, Leben kann so einfach sein, Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, 2001) Wie oft hört man das Wörtchen aber? Es ist angebracht, wenn eine Information oder ein wichtiger Hinweis nachgeschoben werden. Als Konjunktion gebraucht, leitet aber einen Einwand ein. Wenn in kurzer Zeit einige Einwände vorgetragen werden, habe ich den Eindruck: Da setzt sich jemand in Szene. Einwände sind häufig unbeliebt, sooft sie auftauchen. Gesprächspartner gehen dann leicht in Verteidigungshaltung. Wenn auf jedes Ja ein Aber folgt, wird es richtig anstrengend. So kommuniziert ein Mensch, der überhöhte Ansprüche hat oder sich selbst nicht annehmen kann. Wer an allem, selbst an den besten Dingen, herumnörgelt, macht sich selbst und vor allem anderen das Leben schwer. Notorische Kritik wirkt ätzend und vergiftet Beziehungen im Beruf, in der Familie und unter Freunden. Dem klugen König Salomo haben wir viele Lebensweisheiten wie den heutigen Bibelvers zu verdanken, die genau ins Schwarze treffen. Es ist in Ordnung, alles überlegt und gut zu machen, jedoch sollte es in ausgewogenem Maße geschehen. Die Warnung Salomos richtet sich besonders an Menschen, die es mit ihrem Gerechtigkeitssinn, ihrer Besserwisserei und ihrer Kritik auf die Spitze treiben. Man kann so von sich überzeugt sein, dass man nicht wahrnimmt, wenn Menschen zusammenzucken oder sich abwenden. Gott will uns helfen, von uns wegzusehen und zu erkennen, wie andere uns wahrnehmen – damit das Leben leichter wird.

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