Andachten

Andacht

Andacht 13.10.2021

13. Oktober 2021 | Dennis Meier

Andacht 13.10.2021

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Es stinken, es eitern meine Wunden wegen meiner Torheit. Ich bin gekrümmt, sehr gebeugt; den ganzen Tag gehe ich trauernd einher. Denn voll Brand sind meine Lenden, und keine heile Stelle ist an meinem Fleisch. - Psalm 38,6–8 / Da gibt es diese Leuchtturmgestalten, die uns prägen. Geistliche Vorbilder, Welterklärer und Argumentanreicher für Diskussionen. Zum Beispiel dieser tolle Theologe, von dem ich so gerne lese. Dann wurde nach zehn Jahren sein privater Briefverkehr öffentlich gemacht und es stellte sich heraus, dass das Verhältnis zu seiner langjährigen Mitarbeiterin „engagierter“ war, als ich gedacht hatte. Die Statue bekommt plötzlich Risse. Ein uraltes Spiel, wie der Text deutlich macht. Aber was hat der Text damit zu tun? Nun, wenn wir mal für einen Moment lang die fromme Psalmenbrille ablegen und die Verse nüchtern medizinisch lesen, dann würde ein Arzt wahrscheinlich diagnostizieren, dass David hier eine Geschlechtskrankheit durchläuft („voll Brand sind meine Lenden“). Typischerweise zieht ein Mann sich das zu, weil er mit zu vielen Frauen im Bett war. Mal überlegen, wer die Frauen Davids so waren: Michal, Abigail, Ahinoam, Maacha, Haggit, Abital, Egla, Batseba, Abischag. Und das sind nur die, die mit Namen genannt werden. Batseba wurde gar von mehreren Männern und ungefragt in den Palast gebracht, um Sex mit David zu haben. Wir nennen das heute Entführung und Vergewaltigung. Vom feigen Mord an ihrem Mann ganz zu schweigen. Was ist nun mit dem kleinen Hirtenjungen David, der unser Held war? Was mit dem Psalmisten, dessen Worte uns ins Herz treffen und dessen schonungslose Abrechnung mit sich selbst uns herausfordert? Wo ist das Vorbild, das wir suchen? Wo der David aus dem Kindergottesdienst? Doch dann frage ich mich: Was ist mit mir? Bin ich grundsätzlich besser? An solchen Stellen wird mir immer klar, wie radikal und verwegen es ist, dass Gott mit sündigen Menschen arbeitet. Aber alle diese Menschen, ob Personen der Bibel oder persönliche Vorbilder, mahnen uns, eben nicht auf sie zu blicken, sondern auf den Sohn Davids, auf Jesus Christus. Wenn uns nämlich David etwas lehren darf, so Paulus (Röm 4,6–8), dann: „Glücklich ist der, dem der Herr die Sünden nicht mehr anrechnet.“ (NLB) Am Ende zählt nicht die Sünde, sondern die Vergebung.

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