Andachten

Andacht

Andacht 04.10.2021

04. Oktober 2021 | Beate Strobel

Andacht 04.10.2021

Bildnachweis: Gerd Schmid

Man kann Gottes himmlisches Reich mit einem Sauerteig vergleichen, den eine Frau zum Brotbacken nimmt. Obwohl sie nur wenig davon unter eine große Menge Mehl mischt, ist am Ende alles durchsäuert. - Matthäus 13,33 / Brotbacken ist eine uralte Kulturtechnik. Schon in der Bibel ist die Rede vom Sauerteig, wie der Bibeltext zeigt. Ein Sauerteigbrot zu backen, braucht erstens Kraft in den Armen und zweitens viel Geduld. Das kann richtig anstrengend sein. Nachdem ich einen Sauerteig angesetzt habe und er zehn Stunden gezogen ist, vermenge ich diesen mit dem Mehl. Da der Sauerteig schwerer ist als andere Teige, muss ich viel mehr kneten. Und dann muss ich warten, bis die Masse wächst und sich Bläschen bilden. Und ob der Teig wirklich gelingt, habe ich trotzdem nicht in der Hand. Es gibt Teig, den kann ich noch so oft geknetet haben, irgendwie geht er nicht auf, sondern bleibt ein Klumpen. So ist es mit vielem: Ich gebe mein Bestes, aber ob tatsächlich etwas Gutes daraus wird, das kann ich manchmal nicht beeinflussen. Wenn es gelingt, ist das für mich immer ein Geschenk Gottes. In der Bibel erzählt Jesus davon, dass das Gute, das Gott schenkt, in der Welt so aufgeht wie ein Sauerteig. Der Himmel auf Erden kommt sozusagen nicht schlagartig, sondern er gärt und geht langsam auf. Schon eine tolle Vorstellung! Doch die Erde ist weit davon entfernt, so gut zu sein wie der Sauerteig, von dem Jesus spricht. Da brauche ich nur die Nachrichten zu hören und merke: So wirklich aufgegangen ist da noch nichts. Damit ich nicht resigniere, hilft es mir, wenn ich mir das Ganze als einen Prozess vorstelle, der sehr langsam vonstattengeht. Es braucht persönlichen Einsatz und ich muss gegen Widerstände ankämpfen, um das Gute voranzubringen. Manchmal muss ich auch meine Bequemlichkeit überwinden, den Drang, alles hinzuwerfen – und ich brauche Geduld. Auch ganz kleine Dinge können die Welt durchdringen: eine Umarmung, einfühlsame Worte, Menschen, die sich für andere einsetzen, sich Zeit nehmen, Kinder zu betreuen, alte Menschen und Sterbende zu begleiten oder Brutkästen für bedrohte Vogelarten an Bäumen aufzuhängen. Ganz viele Dinge helfen mir, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Zurück