Andachten

Andacht

Andacht 13.06.2021

13. Juni 2021 | Joachim Hildebrandt

Andacht 13.06.2021

Bildnachweis: heckenschwein / photocase.de

Sündigt aber dein Bruder, so geh hin, und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein.Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. - Matthäus 18,15 / Während ich als junger Prediger in Berlin war, besuchte ich auf dem Heimweg vom Gottesdienst oft meine Cousine in ihrem Gemüsegeschäft ganz in der Nähe meiner Wohnung im Adventhaus Charlottenburg. Wenn ich mich verabschiedete, drückte sie mir meist eine große Tüte mit Obst in die Hand. Ich denke heute noch manchmal daran, welche Angst ich hatte, dass mich ein Gemeindeglied sehen könnte und dann, ohne mit mir gesprochen zu haben, verbreiten würde: „Unser junger Prediger kauft am Sabbat ein.“ In seinem Buch Was Macht mit Menschen macht schildert Markus Liebelt nicht nur sehr belustigend, sondern auch sehr betrüblich folgende Geschichte. Sie macht deutlich, wie wichtig dieser Rat von Jesus ist, nicht nur für die Sünder selbst, sondern auch für die, die Sünden anderer verbreiten. Ein Gemeindeglied kommt im Sommer an einem Pfarrhaus vorbei. Türen und Fenster sind geöffnet. Die Frau des Pastors läuft Hilfe rufend durch das Haus. Zwei Sekunden später folgt der Pastor mit einem Besen in der Hand. Er schreit: „Dich krieg ich!“ Das Gemeindeglied berichtet zu Hause seiner Familie: „Stellt euch vor, unser Pastor schlägt seine Frau.“ Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Gemeinde. Am nächsten Sonntag merkt der Pastor in der Gemeinde, dass irgendetwas seltsam ist. Er fragt seine Ältesten, was denn los sei. „Das fragst du noch? Zu Hause schlägst du deine Frau, und am Sonntag tust du ganz fromm.“ Der Pastor klärt sie schnell auf: Seine Frau habe Angst vor Mäusen. Als eine Maus unter dem Küchenschrank hervorkam, flüchtete sie. Er wollte ihr zu Hilfe eilen, „bewaffnete“ sich mit einem Besen und rannte der Maus hinterher. Wie oft verhalten wir uns wie das oben geschilderte Gemeindeglied. Wie viele Gerüchte machen die Runde und stören oder zerstören gar unsere Gemeinschaft. Nicht ohne Grund hat Jesus geboten, zuerst mit dem „Sünder“ unter vier Augen zu reden. In der heutigen Geschichte und auch mit meiner Tüte Obst am Sabbat hätte sich dann schnell herausgestellt, dass es sich gar nicht um Sünde, sondern um einen Irrtum des Beobachters handelte. Darum: Sprich zuerst mit dem „Sünder“, und beschuldige ihn nicht vor anderen.

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