Andachten

Andacht

Andacht 19.05.2021

19. Mai 2021 | Martina Siefert

Andacht 19.05.2021

Euch Schriftgelehrten und Pharisäern wird es schlimm ergehen. Ihr Heuchler! Ihr seidwie weiß getünchte Gräber – mit einer sauberen, ordentlichen Außenseite, doch innenvoller Gebeine und Schmutz. - Matthäus 23,27 / Als am 28. Mai 1951 in Freiburg an der Holbeinstraße die Skulptur eines Fohlens aufgestellt wurde, hätte wohl niemand vermutet, dass sie mit einer eigenen Berichterstattung, per Blog und Website weltweit bekannt werden würde. In nächtlichen Aktionen verhelfen Unbekannte dem „Holbeinpferdchen“ immer wieder zu einem neuen Äußeren. Hunderte Male wurde es in den letzten 40 Jahren bemalt und „umdekoriert“. Es war dadurch schon Zebra, Reh und Einhorn. War Unterstützer von Fußballmannschaften, Überbringer von Heiratsanträgen und Übermittler politischer Botschaften. Ein Pferd als Chamäleon – ein Pferd, das immer wieder seine wahre Gestalt verleugnet. Im Eingangstext werden die religiösen Führer der damaligen Zeit von Jesus beschuldigt, ein nach außen geschöntes, frommes Bild zu zeigen, während es in ihrem Inneren ganz anders aussieht. Statt den ihnen anvertrauten Menschen zu einer freudigen Beziehung zu Gott zu verhelfen, legten sie ihnen mit unzähligen Regeln schwere Lasten auf und gaben vor, selbst ohne Fehler zu sein. In den folgenden Versen verurteilt Jesus ihre Heuchelei aufs Schärfste. Wie sieht es da bei uns aus? Fällt es uns nicht auch oft schwer, ab und an unsere Schwächen zuzugeben? Werden Erfahrungen erzählt, sind es ja meist nur diejenigen mit einem Happy End. Auch wenn es nachvollziehbar ist, dass keiner gerne von eigenem Versagen berichtet, müssen wir uns bewusst machen, dass ein authentisches Bild nur dann entsteht, wenn wir auf eine wohlgestaltete Maske verzichten. Wer nur von seinen Erfolgen berichtet, ist unehrlich zu sich selbst und setzt womöglich seinen Nächsten so unter Druck, dass dieser zukünftig auch nur noch ein geschöntes Bild nach außen abgeben mag. Im Februar 2019 wurde das Pferdchen abgebaut. In einem Steinmetzbetrieb wurde in aufwendiger Handarbeit Schicht für Schicht abgetragen, um die ursprüngliche Form wiederherzustellen, die durch die vielen Umgestaltungen kaum noch zu erkennen gewesen war. Was für ein wunderbares Bild dafür, dass Gott uns durch das Opfer seines Sohnes von Schuld und all unseren Masken befreit und wir so sein dürfen, wie er uns geschaffen hat.

Zurück