Andachten

Andacht

Andacht 26.04.2021

26. April 2021 | Kathi Heise

Andacht 26.04.2021

Bildnachweis: elsone / photocase.de

Denn ich werde ihnen alles Unrecht vergeben und werde nie mehr an ihre Sündendenken. - Hebräer 8,12 / Vor 18 Jahren geschah der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Ein 19-jähriger ehemaliger Gymnasiast erschoss kaltblütig 16 Menschen. Die Welt stand Kopf. Es war eine unbegreifliche Gräueltat, die er dort anrichtete. Deutschland hielt den Atem an. Nach einer gewissen Zeit wurden Psychologen gefragt, wie die Schüler mit der Tat fertig wurden, ob sie alles vergessen hätten, ob sie mit dem Geschehenen umgehen könnten. Die Antwort einer Psychologin ließ mich aufhorchen. Sie sagte, es sei schrecklich, wenn die Schüler alles vergessen würden. Sie müssten diese ganze Sache aufarbeiten und verarbeiten, das heißt darüber sprechen, auch wenn – oder vielleicht gerade damit – mal die Wut hochkommt; es darf geweint und getrauert werden, um ohne bleibenden Schaden darüber hinwegzukommen. Und doch waren nach zehn Jahren etliche immer noch in psychologischer Behandlung. Wie heißt es im Volksmund? Vergeben und vergessen! Geht das überhaupt? Oftmals werden Wunden geschlagen, die nicht von heute auf morgen heilen, auch wenn eine Entschuldigung ausgesprochen wurde. Mancher schläft ein- oder zweimal darüber und alles ist wieder gut, ein anderer gelangt in eine Tretmühle und versucht nach und nach seine Verletzungen in den Griff zu kriegen. Manche Wunden müssen „gereinigt“ und „verbunden“ werden, um heilen zu können. Narben werden immer bleiben, aber mit der Zeit tun sie nicht mehr weh. Gott ist gnädig, er ist bereit, uns zu helfen, er gibt uns Kraft, die man zum Auf- und Verarbeiten braucht. Wir können Gott nur bitten, dass er uns zu Überwindern macht. Auch in Sachen Vergebung. Aus eigener Kraft können wir es nicht schaffen und würden lauter kaputte Beziehungen um uns haben. Bei Gott aber ist alles vergeben und vergessen. In Jesaja 44,22 steht: „Ich habe eure ganze Schuld vergeben; sie ist verschwunden wie der Nebel vor der Sonne.“ (GNB) Das heißt, unser Vergehen, unsere Schuld wird nicht mehr existieren. Unser Gott kann alles! Und er begleitet uns auf dem langen Weg des Vergebens.

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