Andachten

Andacht

Andacht 16.02.2021

16. Februar 2021 | Heidemarie Klingeberg

Andacht 16.02.2021

Bildnachweis: Monika Breiholz

Der Mensch lebt nicht allein von Brot, sondern von allem, was Gott ihm zusagt! - Matthäus 4,4 / Am morgigen Aschermittwoch beginnt in den meisten Kirchen wieder die traditionelle Fastenzeit bis zum Osterfest. Die Initiative „Sieben Wochen anders leben“ ist inzwischen ziemlich populär. Viele lassen in dieser Zeit Alkohol, Nikotin, Fleisch oder Süßigkeiten weg. Der Fernsehkonsum oder die Zeit am Handy wird drastisch eingeschränkt, oder man verzichtet ganz auf elektronische Medien. Fasten hat eine lange biblische Tradition. Im Alten Testament gab es festgesetzte Fastentage, Jesus selbst hat oft lange gefastet (V. 2) – als er die obigen Worte sprach, waren es gerade vierzig Tage. Das kirchliche Fasten wird inzwischen allerdings weniger praktiziert. In manchen Gegenden serviert man freitags zwar noch Fisch statt Fleisch, aber der tiefe Sinn des Fastens ist verloren gegangen. „Wenn ihr fastet, dann schaut nicht so drein wie die Heuchler!“, sagte Jesus. „Wenn du fastest, dann pflege dein Äußeres so, dass keiner etwas von deinem Verzicht merkt – außer deinem Vater im Himmel.“ (Mt 6,16–18) Wer so fastet, als wäre es eine religiöse Übung, die bei Gott Punkte bringt, hat den Sinn und Nutzen des Fastens nicht verstanden. Rein körperlich ist Fasten ein wahrer Jungbrunnen. Der Körper entgiftet und regeneriert sich. Der Fastende hungert keineswegs, er lebt von seinen Reserven und merkt erstaunt, dass reichlich Wasser, Obstsäfte und Gemüsebrühen genügend Energie zur Verfügung stellen, um leistungsfähig zu bleiben. Es gibt Sportler, die während des Fastens ihre Bestzeit erreicht haben. Fasten lässt sich unter Anleitung, mit einem Fastenratgeber oder einer Fastengruppe unkompliziert für einige Tage ausprobieren. Doch es geht um mehr als vordergründige Wellness. Fasten bedeutet, nicht lebensnotwendige Dinge loszulassen. Dadurch entstehen nicht weniger, sondern mehr Raum und Zeit, auch für Gott. Deshalb hat Fasten in der Spiritualität immer schon einen wichtigen Platz eingenommen. „Verzichten, um zu gewinnen“ könnte man es also nennen. Verzichten, um wieder Dankbarkeit zu empfinden für das, was Gott uns schenkt, erkennen, wie sehr wir nicht von der Nahrung, sondern von ihrem Geber abhängig sind. Freiwilliges Fasten kann mir bewusst machen, wovon ich wirklich lebe – jeden Tag.

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