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Auch mein Leiden ist in deiner Hand, Jesus

Auch mein Leiden ist in deiner Hand, Jesus

05. September 2022 | B.Bornowski

Gehst du auch gern in die Sauna? Ich persönlich liebe dieses Gefühl von Wärme, das mit jeder Minute stärker wird. Doch dann kommt der Moment - kurz vor Ende des Durchgangs, an dem ich es kaum aushalte.

Als Studenten sassen wir gerne gemeinsam in der Sauna und liessen jeden Saunagang zur gewollten Qual werden, als kurz vor Ablauf der 15 Minuten jemand mit einem Handtuch begann, die Wärme auf uns herunter zu peitschen. Wir stöhnten dann auf, aber lachten insgeheim in uns hinein und waren fröhlich, dieses selbst gewählte Leid doch zu ertragen.Ganz anders verhält es sich mit dem Leid, das nicht von uns gewählt wird, sondern uns erreicht. Ob Krankheit, Unfall oder Umfeld: Leid, dass uns ganz hilflos und unkontrollierbar erreicht, bringt uns an Grenzen, die wir selbst nicht gesteckt haben. Und sind wir ehrlich: Bereits ein Schnupfen oder zwei wirklich schlechte Nächte lassen in vielen schon die Perspektive auf ein positives Fortbestehen schwinden. Und ich sage das ohne Hohn und Spott: Bereits dort, wo unsere Linse auf das Leben nur ein wenig getrübt ist, fällt uns das Leben schwerer. Nicht umsonst sind Werte wie Gesundheit und Wohlbefinden ganz oben dabei, wenn bei gross angelegten Umfragen wiedermal gefragt wird, was im Leben denn wirklich wichtig ist.

Sinn im Leid

Viktor Frankl, der die Zeit im KZ der Nazis überlebt hat, liefert uns möglicherweise eine Antwort auf die Frage: "Wie kann ein Mensch bei all der Grausamkeit, die ihm widerfährt, nicht nur überleben, sondern weiterleben?" Frankl schreibt dazu: "Wir müssen zwischen Leiden und Verzweifeln unterscheiden. Ein Leiden mag unheilbar sein, aber der Patient verzweifelt erst dann, wenn er im Leiden keinen Sinn mehr sehen kann." Auch die Bibel kennt das Leiden des Menschen. Ja mehr noch: Sie legt uns nahe, wie seine Nachfolger sich mit Christus identifizieren sollen, der selbst das grosse Leiden der Menschheitsgeschichte auf sich nahm, indem er für uns ans Kreuz ging. Die Bibel ist deutlich: Leiden, das einem höheren Zweck dient, ist ein Privileg. So sagt uns zum Beispiel Petrus in 1. Petrus 3, 14: "Doch wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen, glückselig seid ihr!" Und in Apostelgeschichte 5, 41 wird uns berichtet, wie die Apostel "voll Freude vom Hohen Rat hinweg [gingen], weil sie gewürdigt worden waren, Schmach zu leiden um Seines Namens willen;..."

Gibt es erträgliches Leid?

Die Bibel setzt unser Leiden in den Kontext des Evangeliums. Und vermutlich kann dieser Horizont uns helfen, unser Leiden erträglich zu machen, indem wir es einordnen und auch einem höheren Sinn zuführen können: Für wen oder was leide ich? Dient mein Leiden dem Zeugnis für meinen Schöpfer? Wie kann ich durch mein Leid Gott die Ehre geben?

Das Leiden des Christen hat verschiedene Dimensionen: 1. Für etwas Grösseres zu leiden, 2. Daran zu wachsen und zu reifen und 3. Belohnt zu werden (ewiges Leben). Paulus macht uns in Philipper 1 deutlich, dass es eine Ehre ist, für Christus zu leiden. So sagt er in Kapitel 1,29: "Denn euch wurde, was Christus betrifft, die Gnade verliehen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden." (Schlachter2000)

Möglicherweise ist das der Moment, an dem wir Angst bekommen und ein Fluchtinstinkt uns ergreift, weil wir an schlimme Folterszenen und lange Gefängnisstrafen denken. Bereits in der Vergangenheit haben Christen, Paulus eingeschlossen, nicht nur so manche Entbehrung hinnehmen müssen, sondern sind auch an Leib und Leben bedroht worden oder haben sogar ihr Leben für das Evangelium eingebüsst. Doch gleichzeitig sollten wir an dieser Stelle tief durchatmen und nicht nur unser Leben, sondern auch unsere Leidfähigkeit in Gottes Hand wissen. Wir müssen Gott unsere Leidfähigkeit nicht beweisen, indem wir uns selbst ein Märtyrertum wählen.

Kämpfen für den Glauben

Vielmehr sind wir aufgerufen, wie Paulus es wenige Verse vorher in Philipper 1,27 ausgedrückt hat: "Nur führt euer Leben würdig des Evangeliums von Christus, ... dass ihr fest steht in einem Geist und einmütig miteinander kämpft für den Glauben des Evangeliums." Auch wenn wir letztlich so manches einbüssen mögen, dürfen wir doch glauben, dass Gott sich nichts schenken lässt. Paulus formuliert das in Philipper 3,8 sehr treffend: "Ja, wahrlich, ich achte alles für Schaden gegenüber der alles übertreffenden Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüsst habe; und ich achte es für Dreck, damit ich Christus gewinne."

Möge das Leid, dass du erfährst, nicht zwischen Gott und dir stehen, sondern dazu dienen, die Sehnsucht auf das Evangelium in dir grösser werden zu lassen und zur Ehre Gottes geschehen.

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