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Interview mit Arnold Zwahlen

Interview mit Arnold Zwahlen

© Ben Bornowski

40 Jahre Dienst für die Gemeinde

03. Dezember 2021 | Zürich | N. Bürgi

Arnold wird auf Ende Jahr in Pension gehen. Wir haben mit ihm ein Interview geführt und ihn gefragt, was sich in diesen 40 Jahren in der Gemeinde verändert hat und welche Höhen un Tiefen ihn geprägt haben.

Arnold, wie lange warst du in der DSV tätig und welches waren deine Aufgaben?

Ich war ununterbrochen knapp 40 Jahre in der DSV als Ortsprediger tätig und zwar in den Bezirken des Kantons Bern, Aargau und Thurgau.

Gab es Höhepunkte oder Tiefpunkte in deiner Arbeit? Welche waren das für dich?

In fast jedem Gemeindebezirk gab es im Laufe der Dienstzeit Krisen, aber auch Erfolge. Ich habe Gemeindegründungen genauso erlebt wie eine Gemeindespaltung und Gemeindeauflösungen mit all den damit verbundenen menschlichen und geistlichen Nöten. Die Zusammenarbeit mit engagierten Teams und missionsorientierten Gemeindegliedern ermöglichte unter Anderem den Aufbau einer Missionsschule in Verbindung mit einem Gemeindegründungsprojekt (Bern/Altavilla), eines Familienzentrums (Reinach), des HisHands-Konzepts (DSV) und zweier Film- und Expo-Projekte (Aargau/Thurgau) die mehrfach erfolgreich umgesetzt wurden. Das Rüstzeug, um diese umfangreichen Projekte zu leiten, holte ich mir in Weiterbildungen, die 2010 mit einem akademischen Abschluss in AIIAS endeten. Während drei Jahrzehnte führte ich mehr als 15 kurze Missionseinsätze in 10 Ländern und vier Kontinenten durch. Rund 200 Teilnehmer, vor allem Jugendliche, waren daran beteiligt, was bei vielen von ihnen einen prägenden Eindruck für ihr weiteres Leben hinterliess. Wir haben in diesen Einsätzen nicht nur viele Bekehrungen und Taufen erlebt, sondern auch Wunderheilungen und Erweckungen. Tausende Menschen wurden getauft und ein halbes Dutzend Gemeinden gegründet. Wir bildeten zudem in Äthiopien Gemeindeleiter und Prediger in Missionsschulen aus. Unsere vielfältigen Bemühungen in der West-Oromo Mission in Äthiopien führten dort zum Beispiel dazu, dass sie aufgrund des dadurch erwirkten Wachstums als selbsttragende Vereinigung anerkannt wurden. Ich bin Gott sehr dankbar, dass in dieser Zeit nie jemand ernsthaft krank oder geschädigt wurde, obwohl wir zweimal in Zelten und Strohhütten im afrikanischen Busch unter einfachsten Verhältnissen lebten und wirkten. Ich danke auch der DSV für das geschenkte Vertrauen und das anhaltende Sponsoring dieser Einsätze.

Als Tiefpunkte meiner beruflichen Tätigkeit empfand ich menschliche Konflikte und Ablehnung. Wenn man solche grossen Projekte lanciert, erlebt man natürlich auch Widerstände und Entmutigungen. Es hat zum Teil immense Kraft, viel Glauben und Geduld gekostet, das zu tragen. Das Gebet und Gottes Beistand haben mich durch diese Erfahrungen durchgetragen.

Was waren deine liebsten Tätigkeiten in deinem Job?

Die liebste Tätigkeit in dieser Arbeit war die Projektarbeit, das Bibelstunden erteilen, Menschen ausbilden und sie für den Glauben und die Mission begeistern. Aus der Gemeindearbeit entstanden Beziehungen und Freundschaften mit Menschen aus diversen Kulturen und sozialen Schichten, die ich bis heute pflege und mich bereichern, inspirieren und beglücken. Ich danke Gott, dass Vieles dabei auch zu seiner Ehre gelungen ist.

Siehst du Veränderungen und Probleme in der Gemeinde seit du diese Arbeit machst? Welche sind das?

In den 40 Jahren habe ich eine Verstärkung der Betonung von Jesus Christus in der Verkündigung beobachtet. Das gefällt mir. Ich beobachte jedoch auch eine zunehmende Vereinzelung durch Themen und Anliegen, welche die Geister und Gemeinden scheiden. Eine Überalterung der Gemeinden hat vielerorts stattgefunden und es fällt schwer diesen Trend umzukehren. Dazu kommt eine Entwicklung, welche die öffentliche Evangelisation mit einer aktuellen Verkündigung der Adventbotschaft zunehmend schwieriger macht. Diese findet nun hauptsächlich in den sozialen Medien statt.

Hast du es je bereut Prediger geworden zu sein?

Ich bereue es bis heute nicht, Prediger geworden zu sein. Es gab Zeiten wo ich an den menschlichen und strukturellen Problemen zu verzweifeln drohte. Gott hat mich jedoch gehalten, meine Berufung wiederholt bestätigt und durch Erfahrungen und Führungen neuen Mut gemacht. Rückblickend würde ich sagen: Es war eine «Riesenbüez», aber langsam stellt sich ein Gefühl der Freiheit ein, denn in Zukunft darf ich mir aussuchen, was ich tun will. 

Wie möchtest du nun deinen Ruhestand geniessen?

Ich werde meine neue Freiheit in Zukunft nutzen, um verstärkt für meine Frau, die mir über all die Jahre treu zur Seite gestanden ist, da zu sein. Dazu möchte ich meine Enkelkinder geniessen, mit ihnen tschutten, musizieren und spielen. Ich durchwandere die Schweiz, spiele vermehrt Schwyzerörgeli und habe einen Garten angelegt. Aber natürlich kann ich es nicht sein lassen, weiterhin für seine Mission zu wirken sowie Menschen und Ressourcen dafür freizusetzen, solange die Kraft und Gesundheit es zulassen. Ich hoffe Jesus kommt bald, dann werde ich meine Füsse in der ewigen Herrlichkeit gemütlich ausstrecken.

Vielen Dank für deinen wertvollen Dienst in der DSV! Wir wünschen dir viele schöne Momente in deinem Ruhestand und Gottes reichen Segen.

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