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Ruhen in Christus

Ruhen in Christus

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28. Juli 2021 | Zürich | Frank M. Hasel

In Christus zu ruhen fällt vielen Christen nicht leicht. Warum ist das so? Für manche schwingt in dem Wort „ruhen“ vielleicht ein gewisser Unterton des passiven Nichtstuns mit, der fast etwas faul anmutet. Ist unser Glaube wirklich so geruhsam? Oder es hat den Anschein, als ob man damit einem „billigen Evangelium“ das Wort reden will, bei dem es nicht darauf ankommt, was man tut, sondern wo man einfach nur „in Christus ruht“ und mit seinem sündigen Leben weitermacht, als wenn nichts geschehen wäre. Vielleicht ist die Skepsis aber auch damit verknüpft, dass wir Christen uns häufig sehr leicht über das definieren, was wir tun, anstatt uns darauf zu besinnen wer wir eigentlich sind!

Indem wir das Augenmerk auf das legen, was wir tun oder auch nicht tun, fokussieren wir uns auf das, was wir leisten. Gerne betonen wir dann die Bereiche unseres Verhaltens in denen wir erfolgreich sind und die uns auszeichnen. Gewiss, es ist wichtig, was wir tun. Aber nicht weniger wichtig ist die Frage, warum wir das tun, was wir tun. Denn unsere tiefste geistliche Identität leitet sich nicht von dem ab, was wir tun, sondern was Jesus für uns getan hat und beruht auf dem, wer wir in Christus sind. Nur wenn wir das richtig verstanden haben, können wir auch geistlich richtig leben.

Die unerschütterliche Grundlage unserer christlichen Identität ist die Tatsache, dass wir unendlich tief von Gott geliebt sind. Schliesslich ist es Gott, der uns erschaffen hat und er ist es, der uns auch erlöst. Die Bibel sagt uns, dass Jesus uns schon liebte, als wir noch seine Feinde waren (Römer 5:8, 10). Ohne seine hingebungsvolle Liebe hätten wir keine Hoffnung, die über diese Welt hinausgeht und wir würden auch gar nicht erst erkennen, dass wir Vergebung benötigen und erlösungsbedürftig sind. Im Grunde ist es Gottes tiefe und beständige Liebe, die uns zur Bekehrung führt. Das ist eins der erstaunlichsten Wunder des Universums. Nur durch seine Liebe und Gnade dürfen wir uns Kinder Gottes nennen und sind Erben seiner Erlösung. Diese bemerkenswerte Liebe Gottes bewirkt eine geistliche Identität, die durch nichts anderes erreicht werden kann und sie verleiht uns einen Wert, der uns einzigartig und kostbar macht.

In unserer Gesellschaft definieren wir unseren Wert ständig dadurch, dass wir uns mit anderen vergleichen. Oft strengen wir uns bis zum Äussersten an, um zu beweisen, dass wir es wert sind und die Akzeptanz und Liebe der anderen eigentlich verdienen. Aber Gottes Liebe für uns ist anders. Erfrischend anders. Sie ist völlig unverdient und nicht an unsere Anstrengung geknüpft. Gott liebt uns nicht, weil wir etwas Besonderes geleistet haben, oder weil wir so liebenswürdig wären. Er liebt uns einfach, weil er selbst die Liebe ist (1 Joh. 4:8). Wir können Gottes Liebe nie verdienen. Wir können sie nur in kindlichem Glauben annehmen. Die Erfahrung dieses lebendigen Glaubens erfüllt unsere Herzen und Sinne mit Hoffnung und tiefer Dankbarkeit. Als Gottes geliebte Kinder können wir zuversichtlich wissen, dass wir zu Ihm gehören und dürfen die Gewissheit des ewigen Lebens haben, dass uns in Jesus Christus allein angeboten wird (1 Joh. 5:10-13). In diesem Wissen können wir in Christus ruhen. Das macht unseren Glauben fest und treu. Nur wenn ich weiss, dass ich ein Kind Gottes bin und das Christus mir meine Sünden vergeben hat, kann ich auch freudig als sein Kind leben!

Die lebensverändernde Liebe Jesu befähigt uns im Glauben auf seine Initiative zu antworten. Wer die Liebe der Vergebung einmal erfahren hat, der weiss: Seine Liebe lässt uns nicht tatenlos bleiben! Denn „die Liebe Christi drängt uns“ (2. Kor. 5:14), wie der Apostel Paulus es ausdrückt. Und jeder, der richtige Liebe kennt, weiss auch, dass echte Liebe beständige Kommunikation erfordert. Deshalb spricht Gott durch sein geschriebenes Wort auch zu uns. Diejenigen, die die verwandelnde Liebe Gottes in ihrem eigenen Leben erfahren haben, diejenigen, die seine Kinder sind, die haben auch das Verlangen nach Seinem Wort zu leben. Genau wie ihr Vorbild Jesu Christus, lassen sie das Wort Gottes ihr Denken und Handeln, ja ihr ganzes Leben bestimmen. Gottes Liebe führt uns, dazu achtsam zu sein auf das was Gott in seinem Wort gesagt hat. Unsere Achtsamkeit ist nicht selektiv, sondern umfasst alles, was Gott in der Bibel gesagt hat. Achtsamkeit erfordert auch Aufmerksamkeit unseren Mitmenschen gegenüber.

Weil wir uns zutiefst in dieser Liebe Gottes geborgen wissen, wollen wir anderen Menschen diese Liebe auch zeigen. Deshalb zeichnen Barmherzigkeit und Güte uns als Nachfolger Christi aus. Gottes Liebe lässt uns Vergebung gewähren, anstatt nach Vergeltung zu trachten. Von Jesu Liebe getragen, verkünden wir das „ewige Evangelium“ (Offenbarung 14:6) und überwinden die Macht der Sünde durch „des Lammes Blut“ (Offenbarung 12:11). Das macht uns zu Menschen der Hoffnung, die zuversichtlich der baldigen Wiederkunft Jesu entgegensehen.

Frank M. Hasel

Leiter des Bibelforschungsinstitut, GK

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