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3. Adventistischer Gesundheitskongress: «Leben in Fülle»

3. Adventistischer Gesundheitskongress: «Leben in Fülle»

Dr. Heidi Schulz, Wissenschaftlerin am Institut für Humangenetik der Universität Regensburg, Deutschland

© Foto: Herbert Bodenmann/APD Schweiz

02. Juni 2019 | Schwäbisch Gmünd/Deutschland | Herbert Bodenmann

Vom 29. Mai bis 2. Juni 2019 führte der Deutsche Verein für Gesundheitspflege e.V. (DVG) in Schwäbisch Gmünd/Deutschland den 3. Gesundheitskongress durch. Unter dem Motto «Leben in Fülle – erfahren und teilen» beschäftigten sich rund 200 Teilnehmende aus Deutschland und der Schweiz in Fachvorträgen sowie Workshops mit ganzheitlicher Gesundheit. Aspekte mentaler, emotionaler, spiritueller und physischer Gesundheit wurden thematisiert sowie deren Auswirkungen in Alltag, Beruf und Kirche. Am Kongress feierte der Deutsche Verein für Gesundheitspflege e.V. (DVG) das 120jährige Bestehen des adventistischen Gesundheitswerks in Deutschland.

Ein ganzheitliches Menschenbild ist wichtiger als neue Medizintechnik

Bei der Gesundheitsförderung fehle es oft an Ganzheitlichkeit, sagte Dr. med. Ruedi Brodbeck, Alchenflüh/Schweiz. 80 Prozent der Gesundheitskosten in der Schweiz würden durch vermeidbare Krankheiten generiert. Es sei deshalb wichtiger über das Menschenbild nachzudenken, als neue Medizintechnik zu entwickeln, so Brodbeck. Ein ganzheitliches Menschenbild umfasse die wesentlichen Dimensionen des Menschen. Diesem werde im «NEWSRART Plus» Konzept entsprochen, das nicht nur Symptome von Krankheiten bekämpfe, sondern die Ursachen angehe, und die beeinflussbaren Gesundheitsprinzipien und Glücksfaktoren umfasse, die eine breite Wirkung entwickle. Wichtig sei auch, ein richtiges, von der Bibel geprägtes Gottesbild zu haben, das sich ebenfalls auf das Menschenbild auswirke.

Für die Gesundheit sind Lebensstil sowie soziale Faktoren wichtiger als Genetik

Die Steuerung in unserem Körper läuft über die Genetik, die «Hardware» und über die Epigenetik, die als «Software» bezeichnet werden kann, erläuterte Dr. Heidi Schulz, Wissenschaftlerin am Institut für Humangenetik an der Universität Regensburg/Deutschland. Gesunde Ernährung, Bewegung und soziale Faktoren, wie Kontakte und Zuwendung, hätten einen grossen Einfluss auf die Entstehung oder Verhinderung von Krankheiten. Die geerbten genetischen Informationen seien nicht, wie man das früher gedacht habe, zu 35 Prozent für unsere Lebenserwartung zuständig, sondern laut neusten Forschungen wahrscheinlich zu weniger als 10 Prozent. «Vieles hängt von unseren kleinen, alltäglichen Entscheidungen ab. Die Ergebnisse werden in den meisten Fällen nicht gleich sichtbar sein, aber ein gesunder Lebensstil, nach den «NEWSTART Plus®»-Prinzipien, wird sich ganz bestimmt positiv auswirken», so Dr. Heidi Schulz.

Erkenntnisse der Epigenetik: Krebsauslösende Faktoren liegen im Lebensstil

Nur in 5 bis 10 Prozent der Fälle seien geerbte Mutationen massgeblich für die Entstehung von Krebs. Entscheidende krebsauslösende Faktoren seien vielmehr der Lebensstil und Umwelteinflüsse: Rauchen zu 30 Prozent; nicht ausgewogene Ernährung zu 30 Prozent; Übergewicht zu 15 Prozent. UV-Strahlen seien hingegen nur für zwei Prozent der Krebsfälle verantwortlich, so die Biochemikerin. «Lass deine Nahrung deine Medizin sein», empfahl die Referentin den Teilnehmenden und wies auf den äusserst positiven Einfluss von pflanzenbasierter Nahrung auf die Gesundheit hin.

Der Lebensstil hat Auswirkungen auf nachfolgende Generationen

«Die Epigenetik hat einen solchen Einfluss auf das «Programm» der Zellen, dass sogar das, was man erlebt, einen Einfluss auf die eigene Gesundheit und auch die Nachkommen haben kann», sagte Schulz. Das genetische Programm der übernächsten Generation werde kurz nach der Zeugung der nachkommenden Generation festgelegt. Das entspreche der Aussage in der Bibel (1. bzw. 2. Gebot), wonach Gott die «Missetat der Väter» bis ins dritte oder vierte Glied derer heimsuche, die ihn ablehnten. Dies beschreibt den Zusammenhang von Ursache und Wirkung, wie er heute nachgewiesen werden kann und nicht um eine Vergeltung seitens Gottes.

Ist Gott glücklich?

Stephan Sigg, Präsident der Adventisten in der Schweiz, leitete seien Ausführungen mit der Frage ein: «Ist Gott glücklich?» Als Antwort zitierte er zwei Aussagen des Apostel Paulus im ersten Brief an Timotheus, die in der Schlachterübersetzung vom «glückseligen Gott» und vom «Glückseligen» sprechen. Der Mensch habe die Beziehung zu diesem Gott verloren, damit auch sich selbst und folglich auch das Glück, so Sigg und zitierte Blaise Pascal (Pensées): «Was schreit aus dieser Gier..., wenn nicht das, dass ehemals der Mensch wirklich im Glück war, wovon uns nichts blieb als die Narbe und die völlig leere Spur, die der Mensch nutzlos mit allem, was ihn umgibt, zu erfüllen trachtet». Der Mensch habe eine «Erinnerung» an das Paradies, an Eden, was auf hebräisch «Vergnügen» heisse. Der Mensch sei in seiner Glücksuche unbewusst auf der Suche nach Gott, so Sigg.

Bei der Auswertung des Kongresses zitierten die DVG-Verantwortlichen Ernst Ferstl: «Arm sind jene, die ein Leben im Überfluss mit einem Leben in Fülle verwechseln».

120 Jahre Deutscher Verein für Gesundheitspflege e.V.

Am Freitagabend gab es einen kurzen Rückblick auf einige Initiativen, die in den letzten 30 Jahren von Personen im Fürstentum Liechtenstein und in Deutschland durchgeführt wurden, die beim DVG die Gesundheitsberaterausbildung abgeschlossen hatten. Am Samstagnachmittag wurde das Jubiläum mit den Kongressteilnehmenden gefeiert.

Fachreferate, Referenten und Referentinnen

Unter dem Titel «Mediatoren der Gesundheit» wurden drei Fachreferate gehalten: «Das Mikrobiom – Klein aber mächtig! Wie Mikroorganismen unsere Gesundheit beeinflussen“, Dr. H. Schulz; «Wirkung von Gen- und Umwelt-Interaktionen auf die geistige Gesundheit und Plastizität des Gehirns», Dr. J. H. Cabungcal; «Schlaf-Wach-Rhythmus», Dr. med. A. Binus. Nachstehend eine Liste weiterer Fachvorträge: «Wie alles begann: das adventistische Gesundheitsverständnis», Dr. J. Hartlapp; «Die adventistische Gesundheitsreform – Abklatsch oder Aufbruch?», Dr. med. M. Klemenz; «Ellen Whites ›Fussspuren‹ - Brücken in die Vergangenheit und Inspiration für die Zukunft», Dr. A. Erben; «Neuer Wein aus alten Schläuchen? Ganzheitlichkeit – die Grundlage von NEWSTART Plus®», Dr. med. R. Brodbeck; «Fasten – Aus Verzicht wird Gewinn», S. Salazar Winter; «Die heilsame Gemeinde – vom Krankenhaus lernen», Dr. G. Menn; «Unser Streben nach Glück», S. Sigg; «Nachhaltigkeit in gesundheitsbezogenen Verhaltensveränderungen – Eine unvollendete Herausforderung», Prof. Dr. med. E. Voltmer; «Gemeinde als heilsamer Ort«, G. Alscher.

Workshops - Themen und Workshopleitende

«Ein erfülltes Leben mit und ohne Demenz», Dr. med. Karl Heinz Müller; «Wie alles begann: Das adventistische Gesundheitsverständnis», Dr. Johannes Hartlapp; «Lebensschule: Arbeit unter schwierigen Umständen», Pastor Dr. Andreas Erben; «Faszinierende Faszien», Bettina Werner; «Heilsame Gemeinde: Glaube und Gottesbeziehung als Ressource in Umgang mit Trauma», Ursula Roderus; «Ich sterbe und ihr habt mich besucht – Begleitung Sterbender», Dr. Gerhard Menn; «Dreh- und Angelpunkte zwischen Lebensstil und Gesundheit - das Mikrobiom; «Fasten - Wie die einzige bewiesene Methode zur Lebensverlängerung sogar bei schwer zu behandelnden Krankheiten hilft», Dr. Heidi Schulz; «Vegane Ernährung» - Dr. Dr. med. univ. Gerd Ludescher; «Wie kannst du dein Geschäft/Ministry im Gesundheitsbereich gründen?» Jesse Zwiker; «Glück ist kein Zufall! - Was wir von positiver Psychologie lernen können», Stephan Sigg; «Die Bedeutung von Sprache und Kommunikation in nachhaltigen gesundheitsbezogenen Verhaltensänderungen», Prof. Dr. Edgar Voltmer; «Seelische Gesundheit in einer abstrusen Welt: die Rolle der frühen Entwicklung, Mid-Life-Krise, Plastizität und Änderungsprozesse», Dr. Jan-Harry Cabungcal; «Dreh- und Angelpunkte zwischen Lebensstil und Gesundheit - die Epigenetik», Dr. Heidi Schulz; «Glaube, Glück und Wohlbefinden? Wie praktizierter Glaube unsere Gesundheit beeinflusst», Dr. med. Ruedi Brodbeck.

Weitere Infos zum Gesundheitskongress: www.dvg-online.de/veranstaltungen/gesundheitskongress/

Mehr Infos zu einem pflanzenbasierten Lebensstil und den Erkenntnissen der Epigenetik sind in der Zeitschrift «(ein) Blick» enthalten: «Gesundheit – mehr als ein Hype», Advent-Verlag Krattigen: info@advent-verlag.ch, +41 33 511 11 99

Nachstehend Fotos von einigen der rund 30 Teilnehmenden aus der Schweiz

Galerie mit 11 Fotos

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