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«Stiftung Blindendienst der Adventmission» nach 55 Jahren aufgelöst

«Stiftung Blindendienst der Adventmission» nach 55 Jahren aufgelöst

Braille - Blinbdenschrift

© Foto: Matthias Müller/churchphoto.de

24. April 2018 | Zürich | Herbert Bodenmann

Am 22. April hat der Stiftungsträger, die Deutschschweizerische Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die Liquidationsrechnung zur Auflösung der «Stiftung Blindendienst der Adventmission» Basel, zur Kenntnis genommen. Damit ist der Auflösungsbeschluss vom 13. November 2017 rechtswirksam vollzogen. Der «Stiftung Blindendienst» fehlten in den letzten Jahren Druckprojekte, die sie im Sinne des Stiftungszwecks hätte finanzieren können. Das restliche Stiftungskapital von rund 90.000 Franken wurden an die «HopeHörbücherei» der STIMME DER HOFFNUNG, in Alsbach-Hähnlein/Deutschland, überwiesen.

Die «Stiftung Blindendienst der Adventmission» Basel wurde 1963 von Werner Schenk gegründet und massgeblich von Mitgliedern der Siebenten-Tags-Adventisten sowie der Freikirche selbst unterstützt. Die Stiftung stellte an verschiedenen Örtlichkeiten in der Stadt Basel, anfangs mit Freiwilligen, Produkte mit und für Sehbehinderte und Blinde her. Es waren dies vorwiegend Zeitschriften, Bücher sowie weitere Druckerzeugnisse aus den Bereichen Gesundheit, Lebensstil und christliche Spiritualität, die auf Deutsch und Französisch hergestellt wurden. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) zahlte an die Löhne der sehbehinderten Mitarbeitenden im Blindendienst, der Rest wurde durch Gönner und Spender getragen.

1988 wurden 638.000 Seiten Druckerzeugnisse vorwiegend in Punktschrift für Blinde und einige Produkte in Grossschrift für Sehbehinderte durch die «Stiftung Blindendienst» hergestellt.

1989 stellte die Stiftung vom maschinellen Braille-Punktschrift-Druckverfahren auf computergesteuertes Druckverfahren in Brailleschrift um. Diese betriebliche Umstellung auf EDV wurde mit fachlicher Hilfe der Schweizerischen Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte (SBS) in Zürich realisiert. Im November 1989 wurde auch die erste Freizeit für Sehbehinderte und Blinde durchgeführt. Im gleichen Jahr lieferte die Stiftung Produkte in 28 Länder an 2.172 Bezüger, 80 Prozent in deutschsprachige und 20 Prozent in französischsprachige Länder.

1991 wurde eine neue Punziermaschine, eine Vorstufe für die Herstellung der Alumatrizen, angeschafft.

1992 konnten entsprechend ausgerüstet Blinde und Sehbehinderte Zeitschriften und andere Druckerzeugnisse in französischer Sprache in Form von Computerdisketten beziehen und diese mittels einer abtastbaren Braillezeile an ihrem Computer lesen.

1995 lag die Zahl der Punktschriftlesenden bei 1.289 Personen. Gedruckt wurde mit der Rotationsdruckmaschine und einem Brailledrucker.

1999 wurden 11.873 verschiedene Schriften und Bücher hergestellt. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Zahl der Länder, in die Produkte verschickt wurden auf 46. Dank der Portobefreiung der Druckerzeugnisse für Blinde, konnten diese weltweit verschickt werden.

2000 strich das Bundesamtes für Sozialversicherungen aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen die Beiträge der Invalidenversicherung für die Löhne der Sehbehinderten und Blinden, die für die «Stiftung Blindendienst» arbeiteten. Weil die Einnahmen aus den Spenden zu gering waren, mussten die Sehbehinderten und Blinden entlassen und die Produktion von Druckerzeugnissen für Blinde eingestellt werden. Geschäftsleiter der «Stiftung Blindendienst» waren: Werner Schenk, Georges Lutz, Paul Clerc, Jean Fiscalini.

«Verein Blindendienst» wird gegründet
Am 23. Mai 2000 haben engagierte Personen den «Verein Blindendienst» gegründet. Ab dem 1. Oktober 2000 wurde die Produktion der Druckerzeugnisse, die bisher durch die «Stiftung Blindendienst» hergestellt wurden, mit ehrenamtlichen Helfern in reduziertem Umfang bis heute weiterführt. Die «Stiftung Blindendienst» hat dem «Verein Blindendienst» seit dessen Gründung Produktionsaufträge erteilt und diese finanziell abgegolten.

In den letzten Jahren nahm die Produktion des «Vereins Blindendienst» massiv ab, da der Ersatz der defekten Punziermaschine die finanziellen Möglichkeiten des Vereins überschritten hätten. Damit entfielen für die «Stiftung Blindendienst» Projekte, die sie im Sinne des Stiftungszwecks hätte finanzieren können, da der «Verein Blindendienst» für die verbleibende Produktion genügend Spenden von Privaten erhält. Gemäss den Angaben auf der Webseite des «Vereins Blindendienst», werden heute die Druckerzeugnisse in 46 Ländern an 1.381 Bezüger geliefert. Mehr Informationen zum Verein Blindendienst: www.blindendienst.ch/doku.html

Das restliche Stiftungskapital der «Stiftung Blindendienst» von rund 90.000 Franken wurden an die «HopeHörbücherei» der STIMME DER HOFFNUNG in Alsbach-Hähnlein/Deutschland überwiesen. www.blindenhoer-buecherei.de/

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