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4. Bericht und Fazit von der Unity 2017 Konferenz in London

4. Bericht und Fazit von der Unity 2017 Konferenz in London

Jessica Schultka, Verlagsleiterin Advent-Verlag Lüneburg (D)

© Foto: Jens Mohr

Eine Konferenz über Einheit, die Frage nach Autorität und Gewissensfreiheit

22. Juni 2017 | London | Jessica Schultka

4. Bericht | 17. Juni 2017

Die Konferenz "unity 2017" vom 15. - 17. Juni 2017 in London wurde von zehn überregionalen adventistischen Kirchenleitungen (Unionen) organisiert: Australian Union Conference (AUS) • Columbia Union Conference (USA) • Danish Union Conference  (DK) • Netherlands Union Conference (NL) • New Zealand Pacific Union Conference (NZ) • Northern German Union Conference (Norddeutscher Verband NDV) • Norwegian Union Conference (N) • Pacific Union Conference (USA) • South German Union Conference (Süddeutscher Verband SDV) • Swedish Union Conference (S).

Infos zu Themen, Sprechern und Manuskripten auf Englisch (Downloadmöglichkeit): https://adventistunity2017.com/

Weitere Berichte (auf Englisch) zur Unity 2017 Konferenz bei SPECTRUM unter "News"
und einen Blog von Michael Pearson "Surprises ans Elephants"

(Der nachstehende Bericht wurde von Jessica Schultka, Verlagsleiterin des Advent-Verlags in Lüneburg/Deutschland, verfasst. Er ist aus der Facebookseite des Advent-Verlags kopiert: https://www.facebook.com/adventverlag/posts/1735027519847133)

Der vierte und letzte Tag war geprägt von Vorträgen über Gewissensfreiheit und der Frage danach, wie es nun weitergeht.

Olive Hemmings (PhD, Professorin für Religion an der Washington Adventist University) sprach über die Freiheit in Christus - ein steiler und schmaler Pfad zur Einheit. Sie verglich die frühere Kirche, die von verschiedenen kulturellen Hintergründen und Überzeugungen geprägt war mit der Freikirche und zog dabei einen Vergleich zwischen der Diskussion über das Götzenopferfleisch mit der über die Frauenordination.

Die neutestamentliche Lehre über die Einheit sei ein Aufruf, in die Freiheit des neuen Bundes einzutreten. Das befreie die Gemeinde von den Ritualen und Vorschriften, die an sich keinen geistlichen Wert haben, sondern den Menschen nur versklaven. So ordnete sie die Frage nach der Frauenordination derselben Kategorie zu wie beispielsweise die der Beschneidung – es seien rituelle Fragen, die noch im alten Bundesdenken behaftet sind. Deswegen betonte Paulus die Freiheit in Christus, die Freiheit des neuen Bundes (Galater 3,28).

Dass wir aber trotz des neuen Bundes und der Freiheit in Christus über solche zeitbezogenen Fragen bestimmen wollen, liegt an unseren irdischen Grenzen. Hemmings gab einen Ausblick darauf, dass in Christus die Angst vor Unsicherheit vergeht und wir Ruhe finden in der geheimnisvollen Gegenwart Gottes. Ein solches Erlebnis kann nicht abgestimmt, verkündet oder gezwungen werden, sondern ist das Ergebnis von geistlicher Disziplin und Unterweisung durch ein geistgeleitetes Bibelstudium. Das ist nämlich viel schwerer, als in solch rudimentären Fragen Einheit zu erzwingen und damit das individuelle Gewissen zu übergehen. Aber es ist der Weg, zu dem Jesus einlädt.

Reinder Bruinsma, Pastor (i. R.) sprach auch über Religionsfreiheit aus historischer Perspektive mit einigen Anwendungen. Er erinnerte daran, dass es unseren Pionieren so wichtig war, kein Glaubensbekenntnis zu haben, nachdem sie sich von den festgelegten Bekenntnissen der anderen Kirchen befreit hatten, aus denen sie gekommen waren. So war es auch den Reformatoren wichtig, sich unabhängig von festgelegten Überzeugungen zu machen, die Bibel zu studieren und eigenständig zu denken. Dass die Reformatoren selbst ihren Anhängern oft nicht dieselbe Freiheit gewährten, sollte eine Warnung sein. So sei es zwar erfreulich zu sehen, dass Adventisten sich schon immer für die Gewissens- und Religionsfreiheit eingesetzt haben, aber es könnte an der Zeit sein zu prüfen, ob die Überbetonung von Einheit diese Anliegen ernsthaft gefährdet.

Ray Roennfeldt, Professor für Systematische Theologie und Rektor des Avondale Colleges (Australien) sprach über die Frage, ob Gott überhaupt ein Interesse an Gerechtigkeit und Gleichberechtigung hat. Er legte dar, dass im ursprünglichen Schöpfungsideal die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau angelegt war, diese ursprüngliche perfekte Beziehung aber schon in Genesis 3 kaputt gegangen ist durch die Sünde. Roennfeldt schliesst daraus, dass die Unterordnung der Frau unter dem Mann eine sündhafte Folge des Menschseins sei, aber ganz bestimmt nicht gottgewollt oder gar ursprünglich so von ihm beabsichtigt gewesen sei.

Er führte beispielsweise Hagar an, die von Gott gesehen und geachtet wurde (Gen 16). Es wird auch deutlich, dass Jesus sich während seines Wirkens auf der Erde für Gerechtigkeit eingesetzt hat (siehe z. B. in Lukas 4,18–21). Auch Paulus betonte die Gleichberechtigung, die herrscht, wenn alle in Christus eins sind (Gal 3,28).

Trotz dieser Befunde gibt es aber Texte in der Bibel, die sich eben nicht explizit gegen Sklaverei aussprechen und durchaus über das Herrschen des Mannes über die Frau reden. Wie lassen die sich im Gesamtkontext einordnen und verstehen? Obwohl es im Alten Testament erlaubt war, Sklaven zu haben, wurden ihnen verhältnismäßig viele Rechte zugesprochen. Auch im Neuen Testament liess sich eine Entwicklung verzeichnen. Es gab zwar noch Sklaven, aber Paulus deklarierte die Gleichheit aller Menschen in Christus. Nur, mit der Umsetzung dieses Grundsatzes dauerte es noch etwas länger. So gibt es auch Texte über Frauen in der Bibel, die für uns heute schwer nachvollziehbar sind. Roennfeldt beendet diesen Absatz, indem er deutlich macht, dass es zwar unterschiedliche Aussagen zu Gleichberechtigung und Gerechtigkeit in der Bibel gibt, aber gleichzeitig auch einen roten Faden entdeckt, der sich durchzieht, wenn es um Gottes Willen nach Gerechtigkeit geht.

So schliesst er mit der Aussage, dass es nicht richtig sei, Fragen nach Gerechtigkeit dem Anliegen der Mission unterzuordnen. Jesus habe nie getrennt zwischen der Botschaft und dem Auftrag, sondern beides als Einheit gesehen. Genauso wünscht er sich auch heute eine Lösung wie in Apostelgeschichte 15: eine Lösung, die für viele Parteien praktikabel ist.

Was bleibt?</