28 Glaubensüberzeugungen

16. Abendmahl

Abendmahl

Beim Abendmahl haben wir Anteil an den Zeichen des Leibes und Blutes Jesu. Wir nehmen Brot und Wein zu uns und bringen so unser Vertrauen in Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser, zum Ausdruck. In diesem Erlebnis der Gemeinschaft ist Christus gegenwärtig, um unter seinem Volk zu sein und es zu stärken. Durch die Teilnahme am Abendmahl verkünden wir voll Freude den Tod des Herrn, bis er wiederkommt. Zur Vorbereitung gehören Selbstprüfung, Reue und Sündenbekenntnis. Der Herr gebot auch den Dienst der Fusswaschung. Die Fusswaschung ist ein Sinnbild erneuter Reinigung, ein Ausdruck der Bereitschaft, einander in Demut zu dienen, wie Christus es tat, und soll unsere Herzen in Liebe verbinden. Am Abendmahl können alle gläubigen Christen teilnehmen.
(Mt 26,17–30; Joh 6,48–63; Joh 13,1-17; 1 Kor 10,16–17; 1 Kor 11,23–30; Offb 3,20)

| Glaubensüberzeugungen der Siebenten-Tags-Adventisten, Nr. 16

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„Das ist mein Leib – das ist mein Blut“

Wie die Fusswaschung weist auch das Abendmahl auf den Kreuzestod Jesu hin, der sich in dieser Zeichenhandlung quasi abbildet. Wie die Fusswaschung ist auch das Abendmahl oft missverstanden worden. So hat man das Wörtchen „ist“ im Sinne einer Identität gedeutet, als handle es sich bei Brot und Wein tatsächlich um das Fleisch und Blut Jesu. Diese Deutung verbietet sich schon allein deshalb, weil Jesus leibhaftig vor ihnen sass, als er das sagte.

Was er tatsächlich meinte, war dies: Wie dieses Brot gebrochen und dieser Wein ausgegossen ist, so wird mein Leib für euch gebrochen und mein Blut zur Vergebung eurer Sünden vergossen werden. So wenig wie das Wasser der Fusswaschung Sünden abwäscht, so wenig erhalten wir ewiges Leben durch Brot und Wein. Allein Jesu Tod am Kreuz bringt Menschen das Heil. Das Abendmahl weist darauf hin und verkündet „den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1 Korinther 11,26).

Das heisst nicht, dass Brot und Wein nur Zeichen sind, die auf Jesu Opfertod hinweisen. Denn sie verweisen nicht nur auf etwas, sie geben auch Anteil an dem, worauf sie hinweisen. Wie die Verkündigung des Evangeliums allen, die es im Glauben annehmen, Heil bringt, so erhält jeder, der die zeichenhafte Predigt des Abendmahls und der Fusswaschung mit den Augen des Glaubens hört und sieht, Vergebung der Sünden und ewiges Leben.

Nicht Brot und Wein enthalten kraft des priesterlichen Wortes die „sakramentale“ Gnade Gottes. Vielmehr ist es das „Wort vom Kreuz“, das – ob in Vollmacht gepredigt oder eindrucksvoll vor Augen geführt – alle rettet, die daran glauben (Römer 1,16; 1 Korinther 1,18). Fusswaschung und Abendmahl sind also nicht nur Symbolhandlungen mit hinweisendem Charakter, sondern im Glauben wirksame Zeichen der Liebe Gottes, anschaulich-bildhafte Predigten ohne Worte.

Was aber „predigt“ uns das Abendmahl von Christus? Die Antwort ist vielfältig und lässt sich nicht auf einen einzigen Aspekt reduzieren. Eine alte indische Fabel erzählt von einigen Blinden, die einen Elefanten betasteten. Jeder von ihnen entdeckte einen bestimmten Teil des Tieres: Ohren und Beine, Rüssel, Bauch und Schwanz. Doch keiner hatte das Tier als Ganzes gesehen. Wer das Abendmahl in seinem ganzen Bedeutungsreichtum verstehen will, wird ebenfalls mehrere Antworten finden. Insgesamt ergeben sie ein umfassendes Bild vom Mahl des Herrn.

„Das tut zu meinem Gedächtnis“

Offenbar besassen die ersten Christen ein ganzheitliches Verständnis vom „Abend-Mahl des Herrn“ (so wörtlich in 1 Korinther 11,20), das sie tatsächlich am Abend und im Rahmen einer Mahlzeit feierten. Erst in nachapostolischer Zeit wurde das sogenannte Liebesmahl von der Eucharistiefeier getrennt. Aus dem fröhlichen Agape-Mahl der Gemeinde wurde eine Kultfeier, die sich durch heilige Gegenstände (geweihtes Brot, kostbare Geräte, liturgische Gewänder), formelhafte Sätze und rituelle Handlungen vom Alltäglichen abhob. Nun galten nicht mehr die Mahlzeiten als Vorbild, die Jesus nach seiner Auferstehung mit den Jüngern gefeiert hatte (Markus 16,14; Lukas 24,28-43; Johannes 21,9-14; Apostelgeschichte 1,4; 10,40.41), sondern die rätselhaften Mysterienkulte der heidnischen Umwelt. Das Mahl wurde zur Messe und der Tisch zum Opferaltar. Karfreitagsernst statt Auferstehungsjubel bestimmt bis heute vielfach die Atmosphäre beim Abendmahl.

Doch hatte Jesus das wirklich gemeint, als er seinen Jüngern gebot: „Das tut zumeinem Gedächtnis“ (1 Korinther 11,24)? Eine ähnliche Aufforderung – die eine Verheissung einschloss – verband er auch mit der Fusswaschung: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe … Freuen dürft ihr euch, wenn ihr auch danach handelt!“ (Johannes 13,15.17 GNB) Dem Vorbild von Jesus zu folgen heisst darum, Abendmahl und Fusswaschung in ihrem biblischen Sinngehalt wiederzuentdecken und entsprechend zu feiern.

Dabei steht die Beziehung der feiernden Gemeinde zu Jesus Christus im Mittelpunkt des Gottesdienstes. Jesu dreifache Rolle als Tischherr, Gast und Gabe machen das „Mahl des Herrn“ zu einem einzigartigen Erlebnis. Christus selbst ist unter uns, wenn wir das Mahl mit ihm feiern! Seine Gegenwart durch den Heiligen Geist machen Wort verkündigung und Symbolhandlung zu Zeichen der Nähe und Zuwendung Gottes.

Wer anderen im Geist Jesu die Füsse wäscht, wird für sie zum dienenden Christus; wem so die Füsse gewaschen werden, der kann das Gesicht seines Erlösers im Wasser erkennen. Die aktuelle Gegenwart des Auferstandenen und Wiederkommenden – das ist das eigentlich Besondere, Grossartige und Überwältigende am „Mahl des Herrn".

„Kommt, denn es ist alles bereit!“

Diese Einladung zum Tisch des Herrn gilt nach adventistischem Verständnis auch anderen gläubigen Christen, die nicht zur Adventgemeinde gehören. Nicht einmal die Taufe durch Untertauchen oder die Anerkennung aller biblischen Lehren sind unabdingbare Voraussetzungen zur Teilnahme am Abendmahl, sondern allein der Wunsch, das in Christus dargebotene Heil dankbar anzunehmen und das Mahl der Gemeinschaft mit ihm und der Gemeinde in Vorfreude auf sein Kommen zu feiern.

Wer den Bund mit Jesus noch nicht geschlossen hat, findet hier den überzeugendsten Grund dafür. Wir sind eingeladen! Was könnte uns also daran hindern, am Abendmahl teilzunehmen?