Andachten

Andacht

Andacht 17.10.2020

17. Oktober 2020 | Dennis Meier

Ein kleines rosa Herz liegt auf einem Holzschneidebrett.

Bildnachweis: madochab / photocase.de

O ihr Korinther, unser Mund hat sich euch gegenüber aufgetan, unser Herz ist weit geworden. Eng ist nicht der Raum, den ihr in uns habt; eng aber ist’s in euren Herzen. - 2. Korinther 6,11–12 / Keine gute Nachricht, wenn die Ärztin oder der Arzt anfängt, von einer Stenose zu reden. Dann wird’s schwierig mit dem Blutfluss, denn die Gefäße sind – warum auch immer – verengt. Das Wort Stenose kommt von demselben Wort, das Paulus hier benutzt, wenn er, wie ein guter Arzt, den Korinthern bescheinigt: Herz-Stenose! Neben allem, was Paulus den Korinthern kritisch zu sagen hat, fällt am meisten auf, dass die Beziehung zwischen Paulus und der Gemeinde von Korinth etwas abgekühlt wirkt. Und das benennt er. Nur ein paar Verse weiter wirbt er um weiten Raum (vgl. 2 Kor 7,2). Was war passiert? Offensichtlich waren Menschen in die Gemeinde gekommen, die üble Nachrede über Paulus führten. Sie stellten seine Berufung in Frage, seine Autorität und auch einiges, was er sie gelehrt hatte. Und das wirkte, so wie Gerüchte und Andeutungen schon immer wirkten, selbst ohne Fakten.Interessant ist, dass Paulus das Ergebnis so klar benennt: Enge im Herzen. Er schreibt den Brief aus der Ferne, scheint aber diese Enge zu fühlen.Ich habe in meinem Leben viele Gemeinden betreten, als Gast oder als Urlauber. Und Enge im Herzen hatte herzlich wenig mit Theologie zu tun oder mit dem Frömmigkeitsstil, sondern mit Lieblosigkeit.Dass Paulus das hier nochmal den Korinthern entgegenhalten muss, wo er in seinem ersten Brief doch versucht hat, die Liebe als höchsten Wert der Gemeinde zu verankern (vgl. 1 Kor 13), das wird ihn wohl frustriert haben. Aber: Er gibt nicht auf! Er wirbt weiter um Gehör und Wohlwollen. Er bleibt im Gespräch. Die Liebe hört nicht nur niemals auf, sie gibt auch niemals auf. Paulus lebt das Vertrauen vor, das ihm vorenthalten wird. Wie gelingt ihm das? Er drückt es so aus: Unser Mund hat sich euch gegenüber aufgetan, unser Herz ist weit geworden. Wahrscheinlich erinnert er sich an die vielen Predigten, Reden und Bibelstunden – die vielen Worte, die er an sie gerichtet hat – und entsinnt sich: Dadurch wurde unser Herz weit, wir haben euch ins Herz geschlossen.Christsein heißt: immer wieder das Herz weit machen. Raum geben. Enge benennen. Beziehungen echt gestalten. Und wenn das alles nichts hilft, dann ab zum großen Arzt (vgl. 2 Mo 15,26). Der weiß, was bei Herz-Stenose hilft.

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