Andachten

Andacht

Andacht 28.05.2020

28. Mai 2020 | Rafael Schäffer

Andacht 28.05.2020

Bildnachweis: Monika Breiholz

Ein Zehntel jeder Ernte an Getreide und Früchten ist als heilige Abgabe für mich, den HERRN, bestimmt. - 3. Mose 27,30 / Durch Mose hatte Gott den Israeliten vermittelt, ihm den zehnten Teil der Ernteerträge und anderer Einkünfte zu geben. Diese Mittel dienten der Versorgung der Priester, konnten aber auch für Arme, Waisen, Witwen und andere Bedürftige und sogar zur Durchführung eigener Feste in der Gegenwart des Herrn verwendet werden (5 Mo 14,22–29). Es handelt sich quasi um eine göttliche Art von Sozialhilfe, Arbeitslosen- oder Urlaubsgeld. Das Zehntengeben ist noch heute insbesondere in christlichen Freikirchen gebräuchlich. In Form von Geld werden zehn Prozent des Einkommens zur Finanzierung der Glaubensgemeinschaft an Gott zurückgegeben.Ich habe aber den Eindruck, dass es in unserer Gesellschaft etwas anderes noch Kostbareres gibt als Geld – nämlich Zeit. Das mache ich daran fest, dass es regelmäßig als Entschuldigung heißt: „Ich habe keine Zeit.“ „Ich habe kein Geld“, hört man hingegen selten. Zeitmangel ist allgemein als Begründung akzeptiert.Doch wie wäre es, wenn wir ganz bewusst auch den zehnten Teil unserer Arbeitszeit Gott zurückgäben und ihm zum Beispiel bei 40 Arbeitsstunden pro Woche vier Stunden zur Verfügung stellten? Der Gedanke ist in der Praxis für uns gar nicht so revolutionär, wie er vielleicht zunächst scheint. Es ist die konsequente Folge des Zehntengebotes. Gott jedoch könnte gewiss eine gesellschaftliche Revolution mit der Zeit, den Händen, Beinen und Herzen beginnen, die wir ihm geben. Was könnte geschehen, wenn wir diese Zeit nutzten, um uns um die Außenseiter und Randgruppen unserer Gesellschaft zu kümmern, um die Einsamen, Alleinstehenden, Überlasteten, Überforderten, Ausländer, Arbeitslosen, Alleinerziehenden, Rentner, Kranken?Es gibt entsprechend unseren persönlichen Gaben und Neigungen viele Möglichkeiten: einen Besuch abstatten, einen Ausflug unternehmen, zum Essen einladen, zu Behördengängen oder Arztbesuchen begleiten, gemeinsam Sport treiben, Schulkindern Nachhilfeunterricht erteilen oder etwas anderes gemeinsam tun. Außerdem gibt es Tausende Möglichkeiten, sich in unserer Kirche, in einem Verein oder einer anderen Institution ehrenamtlich zu engagieren. Gott wird diese Form der Nächstenliebe gewiss segnen.

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