Andachten

Andacht

Andacht 31.08.2019

31. August 2019 | Eberhard Schulze

Andacht 31.08.2019

Bildnachweis: mathias the dread / photocase.de

Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. - Matthäus 11,28–29 / Es ist ein prächtiger Frühherbsttag. Meine Frau und ich machen einen kurzen Spaziergang. Unser Weg führt uns zu einer Autobahnbrücke über den Berliner Ring. Dahinter beginnt der Wald. Auf der Brücke halten wir ein wenig inne. Unter uns pulsiert sechsspurig in beiden Richtungen der Verkehr. Mein Blick fällt unversehens auf die schmale Oberseite des Geländers. Seine dunkelrote Farbe ist schon verwittert. Jemand hat mit schwarzem Faserstift in Druckbuchstaben deutlich lesbar darauf geschrieben: „Ich will nicht mehr.“Wer hat diese vier Worte wohl geschrieben? Was haben sie zu bedeuten? Wie ist sein oder ihr Leben weitergegangen? War die Ursache dieser vier Worte Liebeskummer? Hat eine Krankheit jemanden niedergedrückt? War wirtschaftliche Not Grund für diese Notiz? War der Schreiber oder die Schreiberin vom Leben überfordert oder gab es fortgesetzten Streit in der Familie? War Einsamkeit die Ursache dieser Verzweiflung? Im Stillen betete ich für diesen sicher auch liebenswerten Menschen.Jesus lädt uns ein, bei ihm alle unsere Sorgen und Lasten abzuladen. Wir können in den Evangelien zahlreiche Beispiele dafür finden, wie sorgenbeladene und lastentragende Menschen bei Jesus Hilfe fanden. Er schenkte Kranken Gesundheit, Verzweifelten gab er Hoffnung, Reiche ermutigte er zur Großzügigkeit. Er tröstete den ungerechten Zöllner mit seinem belasteten Gewissen und sprach ihm Heil und Vergebung zu. (Lk 19,910) Jesus verteilte kein Geld, aber er sättigte die Hungrigen. Er gab „Werte“ weiter, die Menschen zufrieden machen. Gern stellte er sich auf die Seite der Schwachen und Entrechteten. Jesus selbst hatte keinen festen Schlafplatz, kein eigenes Heim. (Mt 8,20) Er war auf Einladungen angewiesen. Dabei machte er keinen Unterschied zwischen Armen und Reichen, einflussreichen und unbedeutenden Menschen. Er war uns ein Vorbild in „Zivilcourage“.Zum Helfen gehören immer zwei: einer, der hilft, und derjenige, der sich helfen lässt. Ich wünsche dir beides: Hilfsbereitschaft und die Bereitschaft, dir helfen zu lassen, wann immer es nötig sein sollte.

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