Andachten

Andacht

Andacht 03.08.2019

03. August 2019 | Klaus Kästner

Andacht 03.08.2019

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit; gegen all dies steht kein Gesetz. - Galater 5,22–23 / Neuere Übersetzungen oder Übertragungen haben den antiquierten Begriff „Keuschheit“ durch „Selbstbeherrschung“ ersetzt. Dies trifft den Sinn sehr gut und bewahrt vor Missverständnissen.In der Erzählung „Wie sich der kleine Teufel einen Brotkanten verdiente“ beschreibt der russische Schriftsteller Leo Tolstoi, wie aus einem armen Bauern der erste Schnapsbrenner wurde. Ein kleiner Teufel sollte sich innerhalb von drei Jahren ein Mittel ausdenken, wodurch der Bauer in die Fänge seines Meisters Satan getrieben würde. Um das zu erreichen, sorgte er für reiche Getreideernten und brachte als Knecht dem Bauern bei, aus dem Korn Schnaps herzustellen. Der kleine Teufel berichtete seinem Gebieter von seinem Erfolg. Dieser wollte sich selbst überzeugen und beobachtete die zechende Runde im Haus des Bauern. Sie ließen sich den Schnaps schmecken und sagten sich heuchlerische Lobhudeleien. Das gefiel dem Satan. Der kleine Teufel kündigte die nächste Stufe an – die Schnapstrinker würden sich in grimmige Wölfe verwandeln. Nach ein paar weiteren Gläschen begann eine wüste Schlägerei. Der Fürst der Hölle war hocherfreut. Schließlich konnte Satan beobachten, dass sich alle Zechkumpane wie Schweine benahmen – sie lagen betrunken im Dreck. Satan lobte seinen tüchtigen Mitarbeiter und vermutete, dass der überaus wirksame Trank aus Fuchs-, Wolfs- und Schweineblut gebraut worden sein müsse. Doch er erfuhr, dass der Mensch den Schnaps aus seinem täglichen Brot herstellte.Die tierischen Instinkte sind immer im Menschen vorhanden, aber gezügelt durch die Vernunft. Die Wahrheit dieser Erzählung ist offensichtlich: Ohne Selbstbeherrschung kann sich der Mensch ganz schnell unwürdig verhalten.Auch Platon und Aristoteles rühmten den Wert der Selbstbeherrschung. Sie befähige dazu, sich zu beschränken und starke Begierden unter Kontrolle zu halten, die der Vernunft widerstreiten. Was in der hellenistischen Kultur als ethisch-moralische Leistung galt, sieht Paulus als etwas, das nicht durch Anstrengung zu erlangen ist, sondern was der Heilige Geist in uns bewirken kann. Lassen wir uns lieber vom „Gotteshelfer“ als vom „Satanshelfer“ beeinflussen.

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