Andachten

Andacht

Andacht 17.07.2019

17. Juli 2019 | Sylvia Renz

Andacht 17.07.2019

Bildnachweis: claudiarndt / photocase.de

Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer … Darum habe ich ohne Einsicht geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe … Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen. - Hiob 42,2–5 / „Warum? Warum hat Gott so was Schlimmes zugelassen?“ Diese Frage ist uralt. Sie kratzt an unserem Gottesbild. Wir können diesen Widerspruch nicht auflösen: ein Gott, der seine Geschöpfe zärtlich liebt und gleichzeitig allmächtig ist – und doch ersticken Babys im Staub von Aleppos Haustrümmern, verbluten Männer in der Sahara, erfrieren Großmütter in den ungeheizten Ruinen der Ostukraine.Die Frage nach dem Leid auf unserem Planeten wird selbst durch die Geschichte vom Sündenfall nicht restlos beantwortet. Sicher ist der Ursprung des Bösen ein unlösbares Rätsel. Die Tragödie begann lange vor unserer Zeit in Gottes Regierungszentrum. Dort fragte einer: „Ist Gott es wert, dass man ihn liebt und ihm vertraut? Und ist er wirklich der Einzige, der das verdient?“ Luzifer, der Träger des Lichts, der höchste und schönste Engel, wollte dem Sohn Gottes die Anbetung verweigern, weil er meinte, genauso „göttlich“ zu sein. Er säte Zweifel an Gottes Gerechtigkeit und Liebe und riss ein Drittel der Engel mit. Gott ließ ihm Freiraum, unsere Erde wurde Satans Versuchslabor. Und alle Geschöpfe leiden fürchterlich unter seiner Misswirtschaft, denn er kann nicht gut regieren. – Warum lässt Gott ihn immer noch gewähren? Das weiß ich nicht. Wer ist kompetent genug, um Gottes Pläne restlos zu verstehen?Hiob erkannte nach der harten Antwort Gottes, dass er umdenken musste. Nur ein allmächtiger Gott, der alles im Griff hat, verdient unser Vertrauen. Auch wenn wir seine Liebe oft nicht spüren, bleibt uns nichts anderes übrig, als – wie Hiob – zu stöhnen (nach Hiob 13,15 Hfa): „Selbst wenn du mich sterben lässt, vertraue ich dir.“ Eigentlich ist genau dies die Krönung des Gottvertrauens: auf ihn hoffen, wenn mir kein Lichtblick bleibt, mich an ihn klammern, auch wenn meine Hüfte nachgibt und ich keinen anderen Halt mehr finde. Gott wird antworten, zu seiner Zeit und auf seine Weise. Und mich tröstet, dass er alles am besten weiß. Deshalb frage ich nicht mehr: „Warum ich?“, sondern: „Warum nicht ich? Warum sollten für mich andere Gesetze gelten als für alle anderen?“

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