Andachten

Andacht

Andacht 14.07.2019

14. Juli 2019 | Jürgen Weller

Andacht 14.07.2019

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

In seiner Freude verkaufte er sein gesamtes Hab und Gut und kaufte dafür den Acker mit dem Schatz. - Matthäus 13,44 / „Lass endlich los!“ Wie oft bekam ich als Kind diese Aufforderung zu hören, wenn ich irgendetwas krampfhaft festhielt, weil ich es nicht hergeben wollte. Wohl jeder von uns kennt diese Erfahrung, auch wenn uns ganz unterschiedliche Dinge wichtig sind. Festhalten hat unser Körper irgendwie verinnerlicht. Es gibt so etwas wie einen Reflex in uns, Dinge festzuhalten. Es war vor rund drei Jahren; ich freute mich auf einen gemeinsamen Urlaub mit meinen Enkelinnen. Zur Vorbereitung trug ich einen Wassereimer und einen großen Koffer die Treppe hinunter. Plötzlich rutschte ich vom Treppenabsatz ab. Leicht hätte ich mich abfangen können. Aber ich hatte keine Hand frei. Krampfhaft hielt ich den Wassereimer fest, versuchte, nichts zu verschütten, und mein Steiß machte mit ein paar Treppenkanten Bekanntschaft. Weil ich den Eimer festhielt, um kein Wasser zu verschütten, erlebte ich den Urlaub sehr eingeschränkt. Loslassen ist das Motiv der Geschichte vom Schatz. Da macht einer den Fund seines Lebens. Ich stelle mir vor, wie er begeistert nach Hause kam und seiner Frau verkündete: „Gib mal alles Geld her, den Schmuck und alle sonstigen Wertsachen. Übrigens geht unser Auto in Zahlung, die gebuchte Reise geben wir zurück und unser Haus geben wir auch auf.“ Er tat das Ganze mit Freude. Und seine Frau? Wie wird sie reagiert haben, als er mit so einer Idee nach Hause kam? Er hatte den Schatz gesehen. Er hatte ihn mit seinen Händen berührt. Er wusste hautnah um seinen Wert. Nur dadurch konnte er so radikal loslassen und sogar noch Spaß daran haben. Er wusste, wenn ich diesen Schatz nicht bekomme, dann bin ich selbst schuld. Auch Schuld ist ein Thema in diesem Gleichnis. Leider veranlasst Egoismus uns oft, auf Kosten anderer nach allerlei „Schätzen“ zu greifen, die sich zunächst gut anfühlen. Durch scheinbar Erstrebenswertes sind uns allzu oft die Hände gebunden und wir haben keine Hand mehr frei für den Schatz und unsere Freude an ihm. Wann hast du dich das letzte Mal intensiv mit dem Schatz beschäftigt, von dem in diesem Gleichnis die Rede ist? Heute ist dafür ein guter Tag.

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