Andachten

Andacht

Andacht 13.07.2019

13. Juli 2019 | Heinz-Ewald Gattmann

Andacht 13.07.2019

Bildnachweis: froodmat / photocase.de

Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss. Wir nahmen an, dass dort eine jüdische Gebetsstätte war. Wir setzten uns … - Apostelgeschichte 16,13 / Zu viert im Urlaub wollten wir am Sabbat den Gottesdienst besuchen. Dabei hatten wir es einfacher als Paulus: Aus dem Internet kannten wir die Adresse des Gemeindehauses und das Navi sorgte für eine problemlose Anreise. Am Eingang der Kapelle wurden wir herzlich begrüßt. Und so kam es, dass wir in einer uns bis dahin fremden Gemeinde mit uns bis dahin unbekannten Glaubensgeschwistern Gottesdienst feierten. Der Ablauf war abwechslungsreich. Einige Gläubige berichteten von ihrem Leben mit Gott in der vergangenen Woche, andere trugen ein persönliches Anliegen zur Fürbitte vor, es wurden fröhliche Lieder gesungen und verschiedene Gebete gesprochen. In einem wurde der Wunsch geäußert, dass Gott die Menschen dieser Stadt erreichen und noch möglichst viele in seine Gemeinde führen möge. Es folgten Bibelgespräch, Predigt, Schlusslied und der Segen. Dann erhoben sich alle Gemeindeglieder und gingen aufeinander zu. Etwa zehn Gesprächsgruppen bildeten sich, mal standen drei, mal vier Personen zusammen. Man kannte sich und war sehr vertraut miteinander. Wir vier bildeten auch eine Gruppe. Vor, hinter und neben uns sprach man über private Dinge oder über Gemeindeangelegenheiten. Wir blieben weiter unbeachtet. Auch zehn Minuten später waren alle immer noch in ihre Gespräche vertieft. Kurz darauf verließen wir die Kapelle und fühlten uns genauso fremd wie zweieinhalb Stunden zuvor. Als Pastor kann ich mit solchen Erlebnissen umgehen. Doch wie empfindet wohl jemand, der im Internet auf unseren Gottesdienst stößt, all seinen Mut für einen Besuch zusammennimmt und dann auf Menschen trifft, die sich alle gut kennen? An wie vielen Sabbaten leben wir ohne Absicht, aber gedankenlos ein typisches Gruppenverhalten, das Fremde zwar registriert, aber nicht wirklich wahrnimmt? Und so bekam an diesem Sabbat das Eingangsgebet, Gott möge noch viele Menschen in diese Gemeinde führen, für mich einen eigenartigen Beigeschmack. Und es blieb die Frage, ob Gott sich vielleicht gar nicht traut, ein solches Gebet zu erhören. Denn warum soll er einen Suchenden zu uns schicken, wenn ihn keiner bemerkt?

Zurück