Andachten

Andacht

Andacht 23.06.2019

23. Juni 2019 | Jessica Schultka

Andacht 23.06.2019

Bildnachweis: Rina H. / photocase.de

Und da war eine Frau, die hatte den Blutfluss seit zwölf Jahren und hatte viel erlitten von vielen Ärzten und all ihr Gut dafür aufgewandt; und es hatte ihr nichts geholfen, sondern es war nur schlimmer geworden. Da sie von Jesus gehört hatte, kam sie in der Menge von hinten heran und berührte sein Gewand. - Markus 5,25–27 / Was traute sie sich eigentlich?! Sie sollte zurückgezogen leben, niemanden berühren, sich nicht am öffentlichen Leben beteiligen. Sie war unrein! Und jeder, der sie berührte, wurde es auch. Sie stand durch ihre Krankheit am Rand der Gesellschaft.Umso erstaunlicher, dass es die Evangelisten wagen, diese doch etwas peinliche Episode aufzuschreiben und die Fakten klar zu benennen: Wir haben hier eine Frau, die seit zwölf Jahren mit permanenten Blutungen kämpft. Die Evangelisten nennen nicht nur dieses Frauenleiden, sondern berichten auch davon, wie Jesus damit umging. Dabei war sein Verhalten mindestens genauso skandalös.Er wies die Frau nicht auf ihre Unreinheit hin, obwohl sie ihn ja nach der damaligen Vorstellung durch ihre Berührung ebenfalls verunreinigt hatte. Allerdings war er auch nicht so diskret, dass er diese Angelegenheit schnell mal zwischendurch ganz unauffällig mit ihr geregelt hätte. Nein, er sprach sie ganz bewusst an und stellte sie damit in die Öffentlichkeit. Warum? Wäre es nicht angenehmer für sie gewesen, still und heimlich geheilt zu werden?Ich glaube, diese Frau brauchte mehr als eine reine körperliche Heilung. Sie musste auch von dem Stempel der kultischen Unreinheit befreit werden. Und das geschah, indem Jesus sie öffentlich als geheilt hinstellte, indem er sich zu ihr bekannte.Wir haben heute zwar keine kultische Unreinheit mehr, kennen aber durchaus das Gefühl von sauber und unsauber, passend und unpassend, wenn es darum geht, wer in unsere Gottesdienste kommt, wer in unserer Gesellschaft willkommen ist und öffentlich auftreten darf. So wie die Evangelisten sich nicht scheuten, diese Episode aufzuschreiben, möchte auch ich mutig sein. Ich möchte mich den Unpassenden, Unreinen, Kranken, Schmutzigen zuwenden, öffentlich und offen mit ihnen reden und sie damit wieder in unsere Mitte aufnehmen, sie annehmen. Mich neben sie setzen und eben nicht diskret abfertigen. Für Jesus sind genau diese Menschen diejenigen, die das Reich Gottes erben, daran ließ er keinen Zweifel aufkommen.

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