Andachten

Andacht

Andacht 14.06.2019

14. Juni 2019 | Klaus Kästner

Andacht 14.06.2019

Bildnachweis: Weigand / photocase.de

Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. - Lukas 15,1–2 / Die längste Geschichte, die Lukas in diesem Kapitel erzählt, dreht sich um den verlorenen Sohn. Unsere Sympathie gehört meist ihm, dem jüngeren Bruder, der zwar rebelliert, aber dann geläutert nach Hause zurückkehrt. Ob das auch so wäre, wenn er bzw. seinesgleichen uns im realen Leben begegneten, ist eine spannende Frage. Auch wenn wir es nicht gern zugeben: Oft stehen wir – bewusst oder unbewusst – dem älteren Sohn viel näher, der strengen Dienst nach Vorschrift und dem Vater am Ende Vorwürfe macht.Es ist klar, dass Jesus mit dem älteren Bruder den Typus des Pharisäers meint, der seine moralischen und religiösen Grundsätze ganz ernst nimmt. Die Pharisäer sind die empörten Adressaten seiner Rede. Doch die Sätze Jesu sind auch höchst aktuell!„Die Kirchengeschichte zeigt, dass der christliche Pharisäismus anscheinend unausrottbar ist. Leider trifft das auch für die Adventgemeinde zu. Das Pharisäertum ist deshalb immer noch lebendig, weil es sich nicht um eine historische Gruppierung handelt, sondern um einen Geisteszustand oder eine Gesinnung.“ (George Knight: Handbuch für Pharisäer, Advent-Verlag, S. 30)E. G. White schrieb: „‚Nichts ist für Gott so beleidigend und für den Menschen selbst so gefährlich wie Stolz und Selbstzufriedenheit.‘ Nicht nur, dass die Pharisäer alter und neuer Prägung keinen Mangel empfinden, nein, indem sie sich ihrer moralischen Tugendhaftigkeit und ihrer religiösen Leistungen rühmen, schwingen sie sich im allgemeinen auch noch zum Richter über andere Menschen auf.“ (G. Knight, a. a. O., S. 25)Gerade der Umgang mit Gescheiterten und Schuldbeladenen, die die Grenzen bürgerlicher Anständigkeit überschritten haben, fordert uns dazu heraus, den Pharisäer in uns zu bekämpfen. Wir brauchen die Barmherzigkeit Jesu, der die Sünder liebt, aber nicht die Sünde. Wir brauchen seine bedingungslose Bereitschaft, zu vergeben und auf Vorwürfe zu verzichten. Wir brauchen liebevolles Entgegenkommen statt misstrauisches Abwarten. Mission bedeutet Teilhaben an der Freude des Himmels und den energischen Kampf gegen den Pharisäer im eigenen Herzen.

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