Andachten

Andacht

Andacht 17.05.2019

17. Mai 2019 | Joachim Hildebrandt

Andacht 17.05.2019

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. - Markus 12,31 / „Soll ich mich auch selbst lieben?“ Da haben manche Gläubige ernste Zweifel. „Ich bin doch unvollkommen. Ich verachte mich doch immer wieder, wenn ich Fehler mache, ich schäme mich, wenn ich schuldig werde. Und führt nicht außerdem Selbstliebe zum Egoismus?“Paulus schreibt sinngemäß: „Christus hat uns angenommen“ (Röm 15,7); obwohl wir noch nicht sind, wie wir sein sollten. Er hat uns angenommen, weil Gott uns liebt. Also dürfen und sollen wir uns lieben, weil Gott uns angenommen hat. „Sich selbst lieben“ heißt dann zunächst, sich auch selbst anzunehmen.Wie sieht das praktisch aus? Ich nehme mich an, wie ich bin, in meiner Wesensart mit allen Schwächen und meinem Temperament. Und ich nehme meine Lebensumstände an, die ich mir anders gewünscht hätte, aber nicht ändern kann: wenn ich in ärmlichen Verhältnissen groß werden musste, weil mein Vater jahrelang um des Sabbats willen arbeitslos war; wenn ich den Beruf nicht ergreifen konnte, von dem ich von Kindheit an geträumt habe; wenn meine Pläne plötzlich durch Krankheit zerplatzen. Und ich nehme meine Mitmenschen in der Familie und in der Gemeinde, die ich mir ja nicht aussuchen konnte, in ihren Eigenarten an. Ich nehme an, was ich nicht ändern kann, weder bei mir noch bei meinen Mitmenschen, klage nicht ständig darüber und kämpfe nicht innerlich dagegen. Ich nehme auch meine Krankheit an, die Gott immer noch nicht geheilt hat.Diese Lektion musste auch Paulus einmal lernen (2 Kor 12,8–10). Dreimal hatte er zum Herrn gefleht, ihm den Pfahl im Fleisch zu nehmen, mit dem Satans Engel ihn quälte. Doch Gott hatte ihm gesagt: „Lass dir an meiner Gnade genügen.“ Paulus war über diese Antwort nicht enttäuscht. Im Gegenteil: „Sobald ich das gehört habe, ließ ich es gern geschehen. Ich hörte auf, mich auf meine Behinderung zu konzentrieren, und begann stattdessen, das Geschenk wertzuschätzen. Die Kraft Christi wirkt in meiner Schwachheit. Nun kann ich diese Einschränkungen locker nehmen und mich sogar darüber freuen. Diese Einschränkungen haben mein Ego, mein falsches Selbst beschnitten. Jetzt überlasse ich einfach Christus die Kontrolle.“ (2 Kor 12,9–10, nach der Übersetzung von Eugene Peterson)

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