Andachten

Andacht

Andacht 28.04.2019

28. April 2019 | Verena Greim

Andacht 28.04.2019

Bildnachweis: Lichtstark / photocase.de

Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. - Epheser 4,15 / „Mama, hat jemand aus unserer Familie Geburtstag, wenn wir im Urlaub sind?“, fragt unser sechsjähriger Sohn. „Ja, der Papa“, antworte ich, „der ist dann ein Jahr älter, wenn wir zurückkommen.“ – „Und sooo viel größer!“, ergänzt unser Dreijähriger und reißt die Arme hoch. „Wohl kaum“, erkläre ich, „in unserem Alter wächst man nicht mehr.“ Daraufhin schaut mich der Sechsjährige nachdenklich an und schlussfolgert direkt: „Also schrumpft ihr nur noch!“Menschen, die immer von oben auf die Ein-Meter-achtzig-Marke schauen, mag die Tatsache, irgendwann etwas zu schrumpfen, kaum schrecken. Aber jeder, der sein Leben lang von unten an der Ein-Meter-sechzig-Marke kratzt, ist sicher nicht begeistert von der Aussicht, im Alter noch kleiner zu werden. Und nicht nur das. Mir ist bewusst, dass nach und nach tatsächlich alles „schrumpft“: Das Gehör wird schlechter, das Sehvermögen schwächer, die Beine werden langsamer, die Arme kraftloser, die Haare lichter … Das körperliche Schrumpfen bleibt traurige Tatsache.Doch die Bibel hält dagegen: „Lasst uns aber … wachsen in allen Stücken ...“ (Eph 4,15 Anscheinend gibt es Bereiche, in denen ich bis zum Lebensende wachsen soll. Und es gibt sogar eine Richtung, in die ich mich ausstrecken kann: zu Christus hin. Das heißt, ich darf mit jedem neuen Lebensjahr größer werden: in der Liebe und in Zuversicht, in der Güte und in Freundlichkeit, in Mut und Gelassenheit und vielem mehr. Vielleicht kann ich so viel wachsen, dass ich anderen ein Stück abgeben kann, ohne dabei kleiner zu werden. Die Entscheidung steht mir frei, wenn ich mich ehrlich frage: „Möchte ich mit jedem weiteren Lebensjahr innerlich verkümmern und verhärten? Will ich meinen eigenen Lebensrahmen noch enger und kleiner stecken? Stelle ich Regeln und Maßstäbe auf, die es mir – und erst recht anderen – unmöglich machen, sich zu entfalten? Oder könnte ich jeden Tag noch ein kleines Stückchen mehr innerlich wachsen und aufblühen?“Wie wohltuend und ermutigend ist es, Menschen zu begegnen, die trotz ihres hohen Alters ein großes Herz und ein freudiges Gemüt haben.Ich freue mich schon auf meinen nächsten Geburtstag: Ich will wachsen – statt schrumpfen.

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