Andachten

Andacht

Andacht 21.12.2018

21. Dezember 2018 | Matthias Müller

Andacht 21.12.2018

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet. - 2. Korinther 8,9 / Ein Weihnachtslied, das mich immer besonders anrührt, heißt „Die Nacht ist vorgedrungen“ (ghs 234). Es ist bei Weitem nicht so bekannt wie „Stille Nacht“ und auch nicht so romantisch, aber es hat in seiner Aussage eine große Tiefe:Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr. Von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.Jochen Klepper verfasste den Text im Jahr 1938. Man spürt seine Vorahnung dessen, was in den kommenden Jahren geschehen würde. Unter der dunklen Wolke der Entwicklungen im Hitlerdeutschland erstarb nach und nach die Fähigkeit des Dichters, Texte zu schreiben. Als es ihm trotz aller Bemühungen und persönlichen Gespräche mit hohen Staatsfunktionären nicht gelang, seine jüdische Frau und seine Tochter Renate vor der sicheren Vernichtung zu bewahren, ging er mit seinen Lieben 1942 in den Tod. Wie bitter. Dumpfe Gewalt hatte scheinbar gesiegt.Aber was Menschen auf dieser Erde tun, ist nie das Letzte. Das letzte Wort hat Gott. Er schafft Gerechtigkeit. Er fängt auf, die hier verzweifelt sind. Dafür kam Jesus auf diese Erde. Er durchlitt selbst als Kind und Erwachsener Verfolgung, Vertreibung und Hinrichtung. Sein Ziel ist größer und herrlicher als menschliche Ziele. So schrieb Jochen Klepper zu Recht: „Der sich den Erdkreis baute, der lässt den Sünder nicht. Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht.“ (ghs 234)Das darf uns auch heute Mut machen. Nehmen wir diesen Tag aus der Hand Gottes entgegen und seien wir gewiss, dass er das letzte Wort sagen wird. Er will unser Gutes, sodass aus Armut Reichtum und aus Trauer Freude wird.

Zurück