Andachten

Andacht

Andacht 26.11.2018

26. November 2018 | Sylvia Renz

Andacht 26.11.2018

Bildnachweis: BeneA / photocase.de

Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, spricht der Geist, sie sollen ruhen von ihrer Mühsal; denn ihre Werke folgen ihnen nach. - Offenbarung 14,13 / Heinrich Heine sagte einmal, unter jedem Grabstein läge ein Stück Weltgeschichte. Schon vor 250 Jahren wurden auf den Inseln Föhr und Amrum „sprechende Steine“ verwendet, die vom Leben der Verstorbenen berichten. Vielleicht haben wir auch schon Grabsteine mit Fotos auf Schildern aus Emaille gesehen. Doch das war gestern; heutzutage wird das traditionelle Grabmal durch den QR-Code zeitgemäß erweitert. Die kleinen Quadrate mit den geheimnisvollen schwarzweißen Mustern werden in den Stein gemeißelt oder auf Porzellanplatten gedruckt. Mit dem Smartphone kann man diese Quadrate scannen und landet auf der dazugehörigen Website. Und wozu soll das gut sein? Ganz einfach: Die Friedhofsbesucher können die Erinnerung an den Verstorbenen auf ihren Handys abrufen, zum Beispiel die Todesanzeige, aber auch Fotos vom letzten Urlaub.Die Anthropologin Naja Genet May, die sich mit Todesritualen beschäftigt, meint, dass die Vorstellung vom Leben nach dem Tod eine neue Dimension bekäme, wenn man nach dem Sterben noch seine Geschichte erzählen könnte. Salomo sagt dagegen: „Die Toten wissen nichts.“ Sie reden nicht, sie entscheiden und handeln nicht. Jesus sagt: „Sie schlafen.“Die Hersteller dieser QR-Codes auf Grabsteinen meinen, dass die Angehörigen durch den Link auf die entsprechende Website auf moderne Art ihre Trauer bewältigen könnten. Ich persönlich brauche mein Smartphone nicht, wenn ich mich an unsere verstorbene Tochter erinnern möchte! Ihre melodische Stimme, ihr Lächeln, ihre schlauen und lustigen Sprüche haben sich tief in mein Gedächtnis eingeprägt. Wenn wir lieben, dann wird der andere ein Teil von uns und wir tragen dieses „Stück“ immer mit uns herum und können uns blitzschnell mit dem anderen „verlinken“, auch ohne QR-Code.Jeder Mensch hinterlässt seine Spuren. Je mehr Liebe er gab und empfing, umso tiefer sind sie eingegraben. Andererseits ist diese QR-Idee ein guter Vergleich für den „Link“ zum riesigen Datenspeicher bei Gott. Unser Schöpfer und Erlöser weiß über jeden Menschen genau Bescheid, und die Informationen sind auch für andere einsehbar: in den „himmlischen Büchern“. Was für eine Hoffnung, dass niemand bei ihm vergessen ist!

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