Andachten

Andacht

Andacht 25.11.2018

25. November 2018 | Günther Hampel

Andacht 25.11.2018

Bildnachweis: view7 / photocase.de

Der Herr, der heilige Gott Israels, hat zu euch gesagt: „Wenn ihr zu mir umkehrt und stillhaltet, dann werdet ihr gerettet. Wenn ihr gelassen abwartet und mir vertraut, dann seid ihr stark.“ - Jesaja 30,15 / Ein Mönch wurde von Besuchern des Klosters gefragt: „Was für einen Sinn siehst du in deinem Leben der Stille?“ Der Mönch schöpfte gerade Wasser und antwortete: „Schaut in den Brunnen! Was seht ihr?“ Die Leute blickten in den Schacht: „Nichts!“ Nach einer Weile forderte der Ordensmann die Leute wieder auf: „Schaut noch einmal hinein! Könnt ihr jetzt etwas erkennen? Einige riefen: „Ja, jetzt sehen wir uns selber!“ Da sagte der Mönch: „Seht ihr, vorhin war die Wasseroberfläche unruhig, deshalb konntet ihr nichts erkennen. Jetzt ist das Wasser ruhig und spiegelt euer Bild wider. Das ist die Erfahrung der Stille: Man sieht sich selber.“Man muss nicht Mönch oder Nonne werden, um das zu begreifen. Im Übrigen ist das nur die halbe Wahrheit. Zwar ist viel gewonnen, wenn jemand anfängt, sich selber zu sehen, wie er ist. Wie oft gelingt das schon? Liegt es nicht näher, sich selbst und anderen etwas vorzumachen? Meistens wissen wir, dass unsere Fassade mit unserem echten Ich nicht komplett übereinstimmt - und das macht unruhig und unglücklich. Wer kann es schon verkraften, sich ins eigene ungeschminkte Gesicht zu schauen? Deshalb geht der obige Bibeltext über das Stillstehen vor uns selbst hinaus, indem es zur Stille vor Gott aufruft.Wer nur sich sieht, wird früher oder später resignieren - schlimmstenfalls verzweifeln. Wem es dagegen gelingt, den Blick zu Gott zu erheben, der kann Hoffnung schöpfen. Gott will das aus uns machen, was wir gern wären: glückliche Menschen. Ein inneres Stillstehen vor ihm kann dabei ein Anfang sein.

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