Andachten

Andacht

Andacht 19.11.2018

19. November 2018 | Daniel Wildemann

Andacht 19.11.2018

Bildnachweis: Aaron Burden / Unsplash

Er wusste ja, sie waren Geschöpfe, vergänglich wie ein Windhauch, der verweht und niemals wieder kehrt. - Psalm 78,39 / Von Zeit zu Zeit höre ich mir den Eröffnungschoral aus der Kantate Ach wie flüchtig, ach wie nichtig (BWV 26) an, die J. S. Bach für den 19. November 1724 schrieb. Der nur zweiminütige Satz handelt von der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Zugegebenermaßen kein erbauliches Thema. Und doch trifft mich das Stück, es lüftet für mich immer wieder einen Schleier, indem es mir vor Augen hält: „Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, So! So! So! So ist unser Leben, sehet!“Das vierfach gesungene „So!“ stößt mich als Hörer auf eine Erkenntnis: Ich bin vergänglich.„Sehet!“ Wohin soll ich sehen? Auf mein Leben. Ich bin es gewohnt, lieber nicht so genau hinzusehen. Nichtig und flüchtig ist das Menschenleben. Auch meines? Nur ein Nebel? Ich habe doch viele Pläne und Wünsche, will am liebsten für immer bleiben. Und doch weiß etwas in mir: Eines Tages müssen wir alle gehen.Im Deutschen liest sich Leben rückwärts als Nebel. Zufall? Vermutlich. Ein Zeichen? Ich will es so sehen.„Ein Mensch in seinem Dasein hier ist schon dadurch bestimmt, dass sein Leben vorüberfließt, davonfließt und verschwindet.“ (Friedrich Weinreb: Psychologie der Sehnsucht, S. 11) Kann ich so leben - ohne mich hier zu verbeißen und festzukrallen an Dingen, Personen oder Erfahrungen, die sich nicht festhalten lassen?Warum es sich „lohnt“, sich mit seiner eigenen Vergänglichkeit zu beschäftigen? Gute Frage. Memento morilat. „Denke daran, dass du stirbst“ - nannten es die mittelalterlichen Mönche. Es war Ausdruck einer Haltung, die vor der Prahlerei schützen und davor bewahren sollte, sich selbst für göttlich zu halten. Jesus lässt diese Vorstellung in seiner Bergpredigt zerplatzen: Wir können unser Leben nicht „um einen einzigen Augenblick verlängern“ (Mt 6,27 NLB). Der Psalm Moses lädt mich ein, mich auf das Wesentliche zu besinnen und auf diese Weise klug zu werden (siehe Ps 90,12). In diesem Moment weiß ich: Mein ganzes Leben ist in Gott aufgehoben.

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