Andachten

Andacht

Andacht 14.10.2018

14. Oktober 2018 | Roland Nickel

Andacht 14.10.2018

Bildnachweis: cdk / photocase.de

So stiegen sie in ein Boot und fuhren an eine einsame Stelle. - Markus 6,32 / Vor einiger Zeit einigten mein Sohn und ich uns darauf, dass wir bei unseren ohnehin seltenen Treffen die Smartphones ausschalten oder zumindest auf lautlos stellen. Wir konnten uns nun auf die gegenseitigen Anliegen konzentrieren und wurden nicht mehr abgelenkt. Das war allerdings ein schwerer Schritt. Können wir es uns leisten, nicht mehr für Mails oder Chat-Anfragen erreichbar zu sein?Die Wochenzeitschrift Die Zeit (Ausgabe 5, 28.1.2016) beschrieb eine neue Generation von Menschen, die ständig online ist. In dem Artikel wurde erörtert, welche Auswirkungen es auf die innere Einkehr und die Beziehungen nach außen hätte, „wenn online der Normalzustand wird und offline eine Art Notsituation (Funkloch, Akkuversagen) [ist]. ... Wir sind stets erreichbar und erwarten das auch von anderen. Das macht vor privaten Momenten nicht Halt und dürfte über kurz oder lang unser Verständnis von Intimität verändern.“Die ständige Erreichbarkeit und das Beschäftigtsein waren auch ohne moderne Kommunikationstechnik schon zur Zeit Jesu bekannt, denn „es war ein ständiges Kommen und Gehen, sodass sie [die Jünger] nicht einmal Zeit zum Essen hatten“ (V. 31 GNB). Und so nahm Jesus sie mit in das Boot und sie fuhren an eine einsame Stelle. Dort konnten sie ruhen, auswerten, was sie erlebt hatten, und wieder neue Kraft schöpfen.Diese Empfehlung der Bibel gilt auch heute. Allerdings ist es schwieriger, Zeiten der Ruhe und Besinnung während der Woche zu finden. Es reicht nicht, „auf ein Boot zu gehen“, im Wald zu laufen oder die Tür hinter sich zu schließen. Wir sind gefordert, uns bewusst diese Ruhe zu nehmen und Störungsquellen abzustellen, indem wir unser Smartphone abschalten, den Fernseher ausschalten und den MP3-Player weglegen.Das gilt besonders für unsere Beziehungen. Wenn wir sie pflegen und entwickeln, brauchen wir störungsfreie Zeiten miteinander. Für die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel ist das Glück pur: „Der größte Luxus ist es heute, technisch unerreichbar und im gleichen Augenblick für jemanden oder etwas wirklich da zu sein.“ (Ich maile, also bin ich, www.zeit.de, 29.12.2009) Ich hoffe, dass uns das hin und wieder gelingt.

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