Andachten

Andacht

Andacht 28.09.2018

28. September 2018 | Anja Lehmann

Andacht 28.09.2018

Bildnachweis: claudiarndt / photocase.de

Ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht, und du hast mich freundlich angesehen. - 1. Mose 33,10 / „Das vergesse ich dir nie!“ Wie oft denke ich das oder, noch schlimmer, wie oft ist dieser Satz in meinem Leben Realität geworden? Ein Missverständnis, eine Sache, die nie geklärt werden konnte, oder eine Begebenheit, bei der sich eine Partei noch immer übervorteilt fühlt. Es gibt viele Momente im Leben, die uns als Menschen voneinander trennen. Wenn es gut läuft, kann ich die Sache klären, dem anderen wieder gegenübertreten und ihm in die Augen schauen. Manchmal ist das nicht möglich, dann gehe ich ihm lieber aus dem Weg. In Ausnahmefällen werden Konflikte über längere Zeit offen ausgetragen. Doch will ich das wirklich? Im Inneren sehne ich mich doch nach einem harmonischen Miteinander, nach Versöhnung und Loslassen - der Dinge, die der andere falsch gemacht hat, und der eigenen Fehler.Die beiden Brüder Jakob und Esau können mir da als Beispiel dienen. Wer würde denken, dass der Vers aus 1. Mose 33,10 am Ende einer tragischen Geschwistergeschichte steht. Verrat, Flucht und Missgunst prägten die Beziehung von Jakob und Esau. Ich würde meinen, ihre Bruderschaft wurde nachhaltig durch diese Erlebnisse miteinander zerstört. Jeder wird sich wohl im Recht gefühlt und sein Handeln an dieser oder jener Stelle gut begründet haben. Die Verletzungen, die entstanden, waren offensichtlich.Doch sie entschlossen sich, aufeinander zuzugehen. Jakob zog Esau mit seiner Familie entgegen. Sein Bruder hörte davon und mobilisierte ebenfalls seine Sippe. Wie bei einem Showdown trafen die Clans aufeinander. Was dann passierte, ist überraschend. Jakob blickte in Esaus Gesicht und sah dort so viel Vergebung, Wohlwollen und Mitgefühl, dass er sich an Gott erinnerte.Wie wäre es, wenn heute jemand in mein Gesicht blicken und Gott sich darin spiegeln würde? Wenn ich kein Wort sprechen müsste, um Gott zu repräsentieren? Esau ist mir ein Vorbild. Ein Mensch, der über seinen Schatten sprang, sein gutes Recht beiseiteließ und Schritte auf seinen Bruder zuging. Jakob ist mir auch ein Vorbild: Er sprach aus, was er dachte. Er sprach seinem Bruder Größe zu und nahm die Vergebung an. Auch das kann nicht jeder einfach so, es kostet Überwindung. Doch die beiden Brüder zeigen mir, wie es aussehen könnte.

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