Andachten

Andacht

Andacht 15.04.2018

15. April 2018 | Wilfried Ninow

Andacht 15.04.2018

Bildnachweis: Lichtstark / photocase.de

Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. - Jesaja 53,4 / Im letzten Haus des Dorfes, in einem halb zerfallenen Speicher, wohnte ein buckliger Mann. Er hatte einst die Mühle angezündet und war wegen Brandstiftung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Nach lan­gen Jahren hatte er seine Strafe abgesessen und kehr­te wieder in das Dorf zurück, wurde hier jedoch größ­tenteils gemieden. Nur einer kümmerte sich um ihn: der Müller, dem der Bucklige das Unrecht angetan hatte. Erst redete man im Dorf darüber, aber schließ­lich nahm alles seinen gewohnten Lauf. So ging es noch einige Jahre. Als der Bucklige starb, gingen hinter dem Sarg der Pfarrer und der Müller - sonst keiner mehr. Denn wenn man erst aus der Gemeinschaft ausgeschlossen ist, gibt es keine Barmherzigkeit, auch nicht im Tod. Schließlich starb auch der Müller, das ganze Dorf folg­te dem Sarg. Der Pfarrer sprach über ein tröstendes Bibelwort. Aber erst als er Folgendes erzählte, horch­ten die Leute auf: „Ihr habt euch oft gewundert, dass der Müller so freundlich zu dem Buckligen war. Heute sollt ihr den Grund erfahren. Kurz vor seinem Tod hat mir der Müller gebeichtet, dass er seine Mühle selbst angezündet hat. Dafür hätte er ins Gefängnis gehen müssen. Der Bucklige hatte die Tat des Müllers beob­achtet und bot ihm an, die Tat auf sich zu nehmen. Er habe keinen Menschen auf der Welt und wolle sich als Brandstifter ausgeben, damit der Müller und seine Fa­milie nicht ins Unglück gestürzt würden. So geschah es. Bei der Gerichtsverhandlung konn­te auch nachgewiesen werden, dass der Angeklagte in der Brandnacht nahe der Mühle gesehen worden war. Jahrelang hat dann der einsame Mann als Stellvertre­ter die fremde Schuld getragen.“ Manchmal hilft uns eine Geschichte aus dem Leben, um zu verstehen, was Jesus für uns getan hat. Der Bucklige hat unschuldig Schuld getragen. Jesus hat unschuldig Schuld getragen. Allerdings war das die Schuld und Sünde aller Menschen - ohne Ausnah­me. Und dazu gehöre auch ich.

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