Andachten

Andacht

Andacht 09.04.2018

09. April 2018 | Matthias Müller

Morgens am Strand wenn die Sonne aufgeht

Bildnachweis: Tobias Klepp / churchphoto.de

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. - Matthäus 28,20 / Diese Zusage von Jesus ist vielen Menschen Trost und Halt geworden. Sie schließt den Aufruf ab, die Mit­menschen zum Glauben an Jesus einzuladen. Das ist nicht nur ein intellektueller Appell, sondern betrifft auch das praktische Leben. Dietrich Bonhoeffer ist mir darin ein bewegendes Vorbild. Er ist mir nicht zuletzt deshalb nahe, weil er 50 Jahre früher unweit der Straße wohnte, wo auch ich in Berlin gewohnt habe. Das verbindet. Er war ein begabter und weltgewandter Mann, sein Vater wirkte als Arzt und Professor für Psychiatrie. Bonhoeffer erwarb bereits mit 21 Jahren den Doktor­grad und schloss seine Habilitation mit 24 Jahren ab. Er arbeitete als evangelischer Pfarrer in Spanien und England und lehrte Systematische Theologie in den USA. Dort hätte er gut und sicher leben können. Aber sein innerer Missionsauftrag trieb ihn nach Deutsch­land zurück, obwohl er mit klarem Blick die hiesige Situation erfasste. Nachdem die Nazis sein „illegales“ Predigersemi­nar aufgelöst hatten, folgten die Ausweisung aus Ber­lin, schließlich Rede- und Schreibverbot. Nach zwei Jahren Gefängnis wurde er kurz vor Kriegsende am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg erhängt. Zwei Wo­chen später befreiten die Amerikaner die verbliebe­nen Häftlinge. Das letzte Gedicht, das von Bonhoeffer erhalten ist, hatte er im Gefängnis verfasst. Es wird heutzutage in vielen christlichen Gemeinden gesungen. Wenn man die Strophen vor dem Hintergrund der Haft und der drohenden Ermordung sieht, spürt man den Mut, das Vertrauen in die Gegenwart Gottes, aber auch das drückende Dunkel und den Hoffnungsschimmer im Herzen Bonhoeffers: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ (ghs 639) Diese Zeilen sprechen Menschen aus dem Herzen, die unter dunklen Wolken leben. Bonhoeffers Mut ist zu­gleich Beispiel dafür, was Nachfolge bewirken kann. Und es ist ein Zeichen, dass Jesus sein Wort, bei uns zu sein, auch in schweren Stunden hält. Es gilt auch an diesem Tag.

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