Andachten

Andacht

Andacht 05.07.2017

05. Juli 2017 | Josef Butscher

Andacht 05.07.2017

© Foto: adventisten.de

Jesus spricht zu ihm: „Ich bin der Weg und die Wahr­heit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." Johannes 14,6

Dieses Wort von Jesus, zuerst an den Jünger Thomas gerichtet, war - berücksichtigt man die jüdisch-theo­logische Welt von damals - eine Aussage von unge­heurer Sprengkraft.

Ich möchte insbesondere auf den Aspekt der „Wahrheit“ eingehen. Die Juden waren das von Gott auserwählte Volk. Sie hielten seine Gesetze ein. Sie verehrten die Heiligen Schriften und glaubten, sie richtig auszulegen. Sie meinten, die Wahrheit zu be­sitzen. Dabei lebten sie nur in erstarrten Traditionen. Sie hatten aus ihrer Religion eine Ideologie gemacht, also eine Ideenlehre, die einen Verhaltenskatalog mit festen Normen vertrat, alles Hinterfragen für über­flüssig hielt und jedes Anderssein bekämpfte. Deshalb hatten sie auch keine Schuldgefühle, einen Irrlehrer, wie Jesus es in ihren Augen war, hinrichten zu lassen.

Wenn Religion zur Ideologie entartet, ist alles abgesichert und gerechtfertigt!

Der Jesuit Robert Bellarmin (1542-1621) nannte das Hinrichten der Ketzer eine „Wohltat“. Und die Mörder im Namen Allahs sehen es heute als ihre Pflicht an, alles, was nicht in ihr System passt, auszu­rotten.

Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819) schrieb: „Von denen, welche sich rühmen, dass sie die Wahr­heit suchen, bloß um der Wahrheit willen, suchen die mehresten [= die meisten] nur ein System; und wenn sie nur irgendeins gefunden haben, so sind sie zufrie­den.“ Dieses scharfe Wort stellt auch Christen vor Fragen: Wem diene ich? Einem System meiner Kirche oder Jesus Christus selbst? Folge ich Glaubensbe­kenntnissen, die fälschlicherweise mit der Wahrheit gleichgesetzt werden, oder versuche ich, mich immer mehr der Wahrheit, die Christus ist, zu nähern? Bin ich bereit, meine Überzeugungen hinterfragen zu las­sen oder beschränke ich mich darauf, nur Altbekann­tes zu wiederholen? Warum bekämpfe und diffamiere ich andere, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben? Warum meine ich, Wahrheit könnte man wie einen Koffer als Besitz unter den Arm klemmen und getrost nach Hause tragen? Letzte Frage: Folge ich einer vorgefertigten religiösen Ideologie oder dem Herrn Jesus Christus?

Das Jesuswort „Ich bin die Wahrheit“ besitzt auch heute noch Sprengkraft!

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